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28/08/2016

EU-Kommission: Diabetes-Zahlen weiterhin alarmierend

Gesundheit und Verbraucherschutz

EU-Kommission: Diabetes-Zahlen weiterhin alarmierend

Die Diabeteszahlen in der EU werden weiter steigen.

[Steven Depolo/Flickr]

Die aktuelle Zahlen der Diabetes-Kranken in der EU verharren auf einem alarmierend hohen Niveau. Und das, obwohl der Kampf gegen die Krankheit eine Priorität der EU-Kommission ist. Sie baut nun auf die Mitgliedsstaaten, regulative Instrumente zur Trendumkehr einzusetzen.

Geschätzte 32 Millionen Menschen in der Europäischen Union (8,1 Prozent) lebten 2013 mit Diabetes. Die Krankheit beeinträchtigt die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Verwandten. Gleichzeitig ist diese chronische Erkrankung eine große finanzielle Belastung für die Gesundheitssysteme in der EU. Brüssel müsse also eine gezielte Anstrengung für eine kohärentere Strategie unter den Mitgliedsstaaten anstreben, um die Diabetes-Epidemie in Europa zu bekämpfen, so die EU-Diabetes-Arbeitsgruppe (EUDWG).

Die EUDWG ist eine überparteiliche, länderübergreifende Gruppe von Europaabgeordneten mit einem besonderem Interesse an Diabetes.

Diabetes vorzubeugen und zu bekämpfen sei eine Priorität der Kommission, sagte Arunas Vinciunas, Kabinettschef von Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, am Dienstag bei einer von EUDWG organisierten Konferenz im Europaparlament.

“Die momentanen Zahlen sind nicht gut und werden nicht besser. Der besorgniserregendste Aspekt ist, dass 20 Prozent der Schulkinder fettleibig oder übergewichtig sind. Wir befassen uns mit Diabetes als Teil eines übergeordneten Ansatzes zu chronischen Erkrankungen”, sagte Vinciunas.

Die Kommission zählt auf die aktive Unterstützung der Regierungen der Mitgliedsstaaten, weil diese die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz in diesem Bereich haben. Deshalb wolle die Kommission keine Versprechungen im Bereich Diabetes machen, so Vinciunas.

Die Mitgliedsstaaten müssten sicherstellen, dass Kinder mit Diabetes im Bildungsbereich aufgrund ihrer Erkrankung nicht einfach entmachtet werden, forderte Therese Comodini Cachia, maltesische Europaabgeordnete für die konservative Europäische Volkspartei (EVP). Stattdessen solle man diese Kinder durch einen gleichwertigen Bildungszugang innerhalb eines einfühlsamen Umfelds stärken. Das gelte auch für die Lehrer, die bei der Bereitstellung eines solchen Umfelds gestärkt und geschützt werden müssten.

Neue Ziele

Die EU sollte weiterhin auf genaue Ziele bei der Senkung der Diabeteszahlen und anderer chronischer Erkrankungen drängen, sagte die sozialdemokratische Europaabgeordnete Christel Schaldemose, die die stellvertretende Vorsitzende der Diabetes-Arbeitsgruppe ist.

“Wenn wir uns in den kommenden Jahren genaue Ziele setzen, werden die EU und die Mitgliedsstaaten genötigter fühlen, zu handeln. Das wird auch den Bedarf an langfristigen Investitionen in die Diabetes-Prävention herausstellen. Diese sind notwendig, um die derzeitige Wachstumsrate der Krankheiten zu begrenzen. Dieses Problem ist zu wichtig für uns, um hier nur zu sitzen und nichts zu tun”, erklärte Schaldemose.

Chris J. Delicata ist der Vorsitzende der European Coalition for Diabetes (ECD). Sie vertritt vier Organisationen, die eine Verbesserung der Leben von Diabetespatienten anstreben. Ihm zufolge sollte das Ziel der Diabetes-Arbeitsgruppe sein, für eine Anerkennung von Diabetes als EU-Priorität für die öffentliche Gesundheit zu sorgen. Zwei Punkte seien dabei besonders wichtig: Die Sicherstellung von mehr Mitteln für die Forschung und ein wirksamerer Verbraucherschutz beim Kauf und Verbrauch von Lebensmitteln, durch klar zu verstehende Informationen.

Die EUDWG solle auch daran arbeiten, jegliche Form der Diskriminierung von Menschen mit Diabetes bei ihrer Ausbildung, ihrer Freizeitgestaltung und Beschäftigung zu verhindern, so Delicata. Die Arbeitsgruppe müsse gewährleisten, dass die Rechte und die Sicherheit von Diabeteserkrankten geschützt sind.

Hintergrund

Nach Angaben des European Diabetes Leadership Forum (EDLF) stirbt alle zwei Minuten ein EU-Bürger an einer Krankheit, die mit Diabetes zusammenhängt. Das EDLF ist eine Organisation von Interessensgruppen, die vom Pharmaunternehmen Novo Nordisk initiiert wurde, um Diabetes auf der Agenda für öffentlichen Gesundheit nach oben zu bringen.

Die Hälfte aller Diabeteserkrankten stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit ist Diabetes in Europa die vierthäufigste Todesursache, wie EDLF-Zahlen zeigen. Demnach sterben 10-20 Prozent an Nierenversagen, zehn Prozent entwickeln ernsthafte Sehbehinderungen und 50 Prozent leiden an diabetischer Neuropathie.