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24/08/2016

EU forscht nach gesünderem Fast Food

Gesundheit und Verbraucherschutz

EU forscht nach gesünderem Fast Food

Beliebtes Fast Food wie die Tiefkühlpizza enthält weiterhin viel Zucker, Salz und Fett. Foto: günther gumhold / pixelio.de

Die EU-Kommission will gegen viele ernährungsbezogene Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes vorgehen. Der Gehalt von Zucker, Salz und Fett in industriell verarbeiteten Lebensmitteln soll reduziert werden, ohne dabei Zusatzstoffe zu verwenden.

Da sich in Europa die Fettleibigkeit ausbreitet, nimmt auch die Zahl von Personen zu, die unter erhöhtem Blutdruck, Typ-2-Diabetes oder Krebs leidet. Gleichzeitig enthält beliebtes Fast Food wie Tiefkühlpizza weiterhin viel Zucker, Salz und Fett.

Allerdings werden auch Ersatzstoffe für Zucker, wie kalorienarme Süßstoffe, nun auch genauer unter die Lupe genommen.

"Wir wollten diese Bahn verlassen", sagte Matthias Kück, Besitzer der Firma Biozoon Food Innovations, dem European Research Media Center. Stattdessen wolle man neue Technologien entwickeln, um Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln zu reduzieren und gleichzeitig Zusatzstoffe zu vermeiden. So könne man erreichen, dass die Sinneswahrnehmung von neuen Produkten der von konventionellen Nahrungsmitteln gleicht.

Kück ist zudem Koordinator des von der EU finanzierten Projekts Pleasure. Das Projekt fokussiert sich vor allem auf Produkte, die sich aus mehreren Nahrungsmitteln zusammensetzen, wie Saucen, Mozzarella und Pizzateig.

Bei der Erforschung technologischer Lösungen nutzen die Wissenschaftler des Projekts Pleasure eine biotechnologische Prozedur, für die ein Patent angemeldet wurde. Sie beinhaltet enzymatische und Fermentationsprozesse, um Zucker in Apfelsaft zu reduzieren.

Andere Ansätze umfassen hydrostatische Prozesse, die hydrostatischen Druck oder Fermentationsprozesse beinhalten. Beide Konzepte zielen darauf, die Verteilung von Salz und Fett um 30 Prozent zu reduzieren.

Nach EU-Regulationen kann ein Nahrungsmittel nur als "reduziert" gelten, wenn der Anteil eines bestimmten Inhaltsstoffes mindestens 20 Prozent geringer ist als in einem vergleichbaren Produkt.

Die Kommission entwickelte bereits 2007 eine Strategie, um dieses Problem in Angriff zu nehmen. Sie sieht eine Zusammenarbeit mehrerer Stakeholder vor.

Nahrung kann auch mit weniger Salz schmackhaft gemacht werden, wenn die Verarbeitungstechnologie eine bessere Verteilung der Inhaltsstoffe sicherstellen kann, sagen Experten.

"Dies führt dazu, dass die Konsumenten die Nahrung salziger wahrnehmen, als sie eigentlich ist", sagt Wolfgang Meyerhof, Leiter der Abteilung für molekulare Genetik am Deutschen Institut für Ernährunsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Fred van de Velde, Manager für Inhaltsstofftechnologie der Beratungsstelle NIZO Food Research in Ede, Niederlande, sagt, dass Experimente mit der Zusammensetzung eines Nahrungsproduktes nicht neu seien. Da die Kunden jedoch immer aufmerksamer sind was Zusatzstoffe angeht, könne man diese "zwei Vorteile" kombinieren und Zusatzstoffe vermeiden und gleichzeitig Fett, Salz oder Zucker in industriell verarbeiteten Lebensmitteln reduzieren.

Meyerhof entgegnet, dass es schwieriger werden könnte, die Akzeptanz der Kunden zu gewinnen, da fettreduzierte Produkte bereits seit einiger Zeit im Umlauf sind, aber "keiner sie kauft". Meyerhof zufolge wisse man nicht einmal genau, "wie wir Salz oder Fett wahrnehmen, deswegen ist eine Manipulation schwierig."

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Links

EurActiv Brüssel: EU-sponsored research seeks healthier processed foods (1. August 2013)

youris.com: Junk-free pizza, engineered to please taste buds (29. Juli 2013)