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30/09/2016

EU-Bericht: Hunderttausende Europäer sterben jährlich an Feinstaub und Lärm

Gesundheit und Verbraucherschutz

EU-Bericht: Hunderttausende Europäer sterben jährlich an Feinstaub und Lärm

Feinstaub ist laut einem EU-Bericht Hauptursache für den vorzeitigen Tod Hunderttausender Europäer jährlich.

© fahrradfritze (CC BY-NC-ND 2.0)

Luftverschmutzung und Lärm sind eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit. Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur erleiden dadurch jedes Jahr Hunderttausende Europäer einen vorzeitigen Tod. Die Experten warnen, der Klimawandel werde das Problem noch verschärfen.

Die Europäische Umweltagentur hat ihren Sachstandsbericht vorgestellt. Demnach ist Feinstaub in der Luft für jährlich rund 430.000 vorzeitige Todesfälle in der EU verantwortlich. Mindestens 10.000 Europäer sterben demnach außerdem frühzeitig durch Lärm, der Herzerkrankungen und Herzinfarkte begünstige.

Die Verschmutzung des lebenswichtigen Gutes saubere Luft bleibt in Europa und in Deutschland nach wie vor ein ernsthaftes Problem, insbesondere in städtischen Gebieten, zeigt der Bericht, der am Dienstag in Brüssel veröffentlicht wurde und alle fünf Jahre erstellt wird.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks warnte mit Blick auf die Ergebnisse: „In vielen Umweltbereichen tun wir noch nicht genug, um unsere Vision für 2050 aus dem 7. Umweltaktionsprogramm zu erreichen.“ Weitere Emissionsminderungen seien notwendig, um die Luftqualität in Einklang mit den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation zu bringen. „Wir stellen heute bereits die Weichen für unser Leben im Jahr 2050“, so Hendricks. Der Bericht soll als Grundlage für die EU-Umweltpolitik bis zum Jahr 2020 dienen.

Der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen kritisierte, der Sachstandsbericht zeige außerdem deutlich, dass sich der Zustand der Umwelt in denjenigen Bereichen verschlechtert, in denen keine Ziele gesetzt sind – so beispielsweise bei der Landnutzung, der Verschwendung von natürlichen Ressourcen und den Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf die menschliche Gesundheit.

Klimawandel wird Gesundheitsprobleme verschärfen

Trotz Maßnahmen wie Fahrverboten oder strengeren Vorgaben für die Industrie sieht die Umweltagentur keinen Grund für Entwarnung. Gesundheitsprobleme, so sagen die Experten voraus, werden durch den Klimawandel weiter zunehmen. Die Politik müsse wirkungsvollere Maßnahmen und Investitionen tätigen, fordern sie in dem Bericht.

Produziert wird Feinstaub vor allem durch die Industrie, Ofenheizungen, Motoren und die Landwirtschaft. Eine weitere Ursache für vorzeitige Todesfälle ist auch Ozon. 16.000 Menschen in Europa würden dadurch frühzeitig sterben, besagt der Bericht.

Luftverschmutzung ist am gefährlichsten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Luftverschmutzung als das größte auf Umweltfaktoren basierende Gesundheitsrisiko weltweit ein. Sie verursacht Schlaganfälle, Herzerkrankungen und chronische Lungenkrankheiten. Die WHO schätzt die Zahl der Toten infolge von schmutziger Luft auf weltweit sieben Millionen Menschen jährlich.

Die langfristigen Ziele zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen wird Europa nach Ansicht der Umweltagentur nicht erreichen. Verbesserungen in der Qualität sieht der Bericht allerdings bei der Wasserqualität und der Reduzierung von Müll.

Martin Häusling, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im EU-Parlament, monierte jedoch: „Einige kurzfristige Erfolge wie die Verbesserung der Wasserqualität oder die Reduzierung von Müll können nicht darüber hinweg täuschen, dass es zurzeit keine überzeugende Strategie im Umgang mit Ressourcen und Umwelt gibt.“ Dabei gehe es nicht nur um Umweltschutz. Mehr Effizienz und eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen ist auch für eine erfolgreiche Wirtschaft langfristig unabdingbar, so Häusling.