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29/08/2016

E-Zigaretten künftig nur noch auf Rezept?

Gesundheit und Verbraucherschutz

E-Zigaretten künftig nur noch auf Rezept?

Die EU-Kommission will die derzeit auf dem Markt angebotenen E-Zigaretten weitestgehend aus dem freien Handel verbannen. Nikotinreiche E-Zigaretten soll es künftig nur noch zur Nikotin-Ersatztherapie auf Rezept geben. Foto: dpa

Die EU-Kommission strebt kein generelles Verbot elektrischer Zigaretten mehr an. Allerdings wird die vorgeschlagene Nikotin-Höchstgrenze dazu führen, dass die meisten derzeit erhältlichen E-Zigaretten vom Markt verschwinden. Viele Sorten würde es dann nur noch als Arzneimittel auf Rezept geben, bestätigte die EU-Kommission.

Der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) ist erleichtert, dass elektrische Zigaretten unter bestimmten Voraussetzungen auch künftig frei gehandelt werden dürfen. "Die Bemühungen der eZigarettengegner, das Produkt generell zu verbieten, sind gescheitert. Doch es besteht noch dringender Änderungsbedarf an der neuen EU-Tabakrichtlinie", sagte Dac Sprengel, Vorsitzender des Verbands des eZigarettenhandels (VdeH) und Sprecher der jüngst gegründeten internationalen E-Cigarette Associations Alliance (ECAA).

Vorschlag der Kommission

Am 19. Dezember 2012 hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag über die Revision der Richtlinie für Tabakerzeugnisse veröffentlicht. In diesem wurde erstmals die E-Zigarette als nikotinhaltiges Erzeugnis behandelt. Normiert werden soll eine Begrenzung von 2 Milligramm je Verbrauchseinheit sowie eine Begrenzung der absoluten Nikotinkonzentration von 4 Milligramm je Milliliter. Alle darüber hinausgehenden Produkte müssten als Arzneimittel zugelassen werden.

"Elektronische Zigaretten werden gleich behandelt mit Nikotin-Ersatztherapien wie Nikotin-Pflaster, Sprays oder Kaugummis", zitierte die Frankfurter Rundschau am Dienstag (22. Januar) aus einer Antwort der EU-Kommission. Demnach erfüllten viele der derzeit auf dem Markt befindlichen E-Zigaretten voraussichtlich die Vorgaben für Arzneimittel oder müssten vom Markt genommen werden.

Kritik der E-Raucher

"Nüchtern betrachtet kommt dieser Kommissionsvorschlag also einem Verbot des Dampfens gleich. Der Verzicht auf Tabak bei gleichbleibendem Ritual und gleichbleibender Versorgung mit Nikotin wird nicht länger möglich sein. Was bleibt ist ein völlig unbefriedigender Rest dessen, was e-Zigarettenkonsumenten als eine wesentlich weniger schädliche Alternative zum Tabakrauchen nutzen", kritisiert die Interessengemeinschaft E-Dampfen den Vorschlag der EU-Kommission.

Die Einstufung von nikotinhaltigen Produkten in der EU-Tabakrichtlinie entbehre dabei einer fachlich korrekten Grundlage. "Die Vermutung liegt nahe, dass die Pharmalobby mit ihren Rauchentwöhnungsprodukten in der EU ihre Pfründe sichern will", schreibt der Lobby-Verband der E-Zigarettenkonsumenten.

E-Zigarettenmarkt in Deutschland

Nach Angaben des Verband des eZigarettenhandels VdeH gibt es in Deutschland etwa zwei Millionen eZigarettennutzer (Stand: Januar 2012). Der Gesamtumsatz der Branche betrug im Jahr 2011 demnach ca. 100 Millionen Euro.

mka

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Zum Thema auf EurActiv.de

Zigaretten: EU will Verbote und größere Warnhinweise (19. Dezember 2012)

LinkDossier:
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