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25/09/2016

„Drunkorexie“: Gefährlicher Party-Trend erobert Großbritannien

Gesundheit und Verbraucherschutz

„Drunkorexie“: Gefährlicher Party-Trend erobert Großbritannien

Immer mehr junge Menschen verzichten tagsüber auf Nahrung, um Kalorien für den Alkohol am Abend zu "sparen".

[James Palinsad CC BY-SA 2.0 / Flickr]

Einer Studie zufolge verzichten in Großbritannien beinahe die Hälfte aller Männer und ein Drittel der Frauen zwischen 18 und 24 vor dem Trinkgelage auf das Essen. EurActiv Brüssel berichtet.

Immer mehr junge Briten springen auf den Drunkorexie-Trend auf, so der Gesundheitsverband Benenden in seinem nationalen Gesundheitsbericht 2015. Die Besorgnis der Gesundheitsexperten wächst. Bei dem neuen Party-Phänomen geht es darum, weniger Kalorien durch Speisen aufzunehmen und somit mehr Alkohol trinken zu „dürfen“, ohne dabei zuzunehmen. Die Studie bestätigt, dass junge Menschen in Großbritannien lieber weniger essen, um Kalorien für den Alkoholkonsum aufzusparen.

Zwei von fünf Briten (41 Prozent) zwischen 18 und 24 geben an, sich gesund zu ernähren, um gut auszusehen – nicht der allgemeinen Gesundheit wegen. „Der Schlankheitswahn, das bewusste Kalorienzählen und der Gruppenzwang, große Mengen an Alkohol zu konsumieren, spielen in dieses Phänomen mit hinein“, heißt es im Bericht. Auch immer mehr Männer ließen sich von dem Trend anstecken.

Alkohol oder gesunde Ernährung

„Obwohl Millionen Pfund in das [britische Gesundheitssystem] NHS und in öffentliche Gesundheitsorganisationen fließen, scheinen grundlegende Informationen zur gesunden Ernährung und zum Wohlbefinden nicht zur Öffentlichkeit durchzudringen. Zwar trinken junge Menschen insgesamt weniger, ziehen jedoch immer häufiger den Alkoholgenuss einer gesunden, ausgewogenen Ernährung vor“, warnt Dr. John Giles, Benendens medizinischer Direktor.

Eine aktuelle Studie des britischen Informationszentrums für Gesundheit und Sozialfürsorge fand heraus, dass junge Briten erheblich weniger Alkohol trinken als noch vor einigen Jahren. Insgesamt liegt ihr Konsum jedoch noch immer über dem europäischen Durchschnitt.

Der Anteil der britischen Teenager, die schon einmal Alkohol getrunken haben, nimmt laut Studie seit 2003 kontinuierlich ab. In England gaben 2014 38 Prozent der 11- bis 15-Jährigen an, bereits Alkohol konsumiert zu haben. 2003 lag ihr Anteil noch bei 61 Prozent. Ein ähnlich starker Rückgang ließ sich auch in Schottland verzeichnen.

Kein Bewusstsein für gesunde Ernährung

Die Studienteilnehmer wurden außerdem gebeten, allgemeine Frage über einen gesunden Lebensstil zu beantworten. „Die Ergebnisse legen weitestgehend nahe, dass sich die meisten vormachen, viel über gesunde Ernährung zu wissen. Sie halten sich quasi für Experten. Bei den Beispielen aus dem wahren Leben jedoch konnte die Mehrheit der Befragten keine zufriedenstellenden Antworten auf einfache ernährungsbezogene Fragen liefern oder aber die gesündere Option wählen, als es darum ging, sich zwischen alltäglichen Lebensmitteln und Getränken zu entscheiden“, so der Bericht.

Obwohl die Hälfte der britischen Bevölkerung auf die Gesundheitsangaben auf der Verpackungsrückseite achte, wüssten die meisten laut Bericht kaum etwas mit den Nährwertangaben anzufangen. „Auf die Frage hin, wie hoch die empfohlenen Tagesmengen oder Referenzwerte seien, konnten sie kaum verlässliche Antworten liefern – auch nicht mit Blick auf die einfachsten Nährstoffgruppen wie Fett, Zucker und Salz.“

Man könne noch nicht sicher sagen, ob diese Wissenslücken auf schlechte Bildung oder mangelndes Interesse zurückzuführen seien, so Giles. „Ich glaube jedoch, wir müssen die Art wie wir auf die Menschen zugehen überdenken und sie dazu ermutigen, mehr persönliche Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.“

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