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06/12/2016

Debatte um endokrine Disruptoren: USA stellen Handelsziele über Gesundheitsfragen

Gesundheit und Verbraucherschutz

Debatte um endokrine Disruptoren: USA stellen Handelsziele über Gesundheitsfragen

Kopfsalate sind von allen Lebensmitteln am meisten mit endokrinen Disruptoren belastet.

[liz west/Flickr]

Die Europäische Union hat ihre öffentliche Konsultation zu endokrinen Disruptoren veröffentlicht. Europas Handelspartner fürchten vor allem um die wirtschaftlichen Auswirkungen einer strengeren Regulierung, wie das Journal de l’environnement berichtet.

Auch zwei Jahre nach dem ursprünglichen Fälligkeitsdatum wartet die EU immer noch darauf, dass die Kommission Kriterien zur Definition von endokrinen (hormonaktive) Disruptoren liefert. Im September des vergangenen Jahres startete sie eine öffentliche Konsultation. Darin nannte die Kommission mehrere mögliche Kriterien für die Substanzen.

Insgesamt gingen rund 27.000 Antworten ein. Mehr als 21.500 kamen von Bürgern oder Verbrauchern. Von ihnen füllten 95 Prozent die Umfrage als Unterstützer einer Kampagne von EDC-Free Europe aus. Die übrigen 500 Antworten kamen vor allem von Regierungen, Unternehmen, Industrievertretern und Gewerkschaften aus dem Bereich Landwirtschaft.

Die Ergebnisse der Konsultation waren womöglich vorherzusehen. Doch die Antworten einiger der wichtigsten EU-Handelspartner zeigen vor allem die Sorge um die wirtschaftlichen Auswirkungen einer möglicherweise restriktiven Gesetzgebung.

USA warnen vor Auswirkungen auf den Handel

Vor allem die Antwort der USA war sehr direkt: „Die Schaffung technischer Regulierungen auf der Grundlage risikogestützter Kriterien sind oft handelshemmender als notwendig, weil Risikominderungsmaßnahmen vorhanden sind. Und sie erfüllen kein legitimes Ziel, da sie nicht von wissenschaftlichen Beweisen unterstützt werden.“

Die USA sprechen sich gegen ein System aus, das lediglich auf den gefährlichen Eigenschaften von Substanzen beruht – wie es Frankreich befürwortet. Denn das „könnte schwerwiegende Auswirkungen für die EU-Importe von US-Landwirtschaftsprodukten haben“, so die amerikanische Regierung.

Die Regierungen Neuseelands, Australiens, Kanadas schlagen in die gleiche Kerbe. Argentinien betont in seiner Antwort, wie wichtig die Einhaltung der Verträge der Welthandelsorganisation zu Handelshemmnissen und phytosanitären Maßnahmen ist.

Frankreichs Ansatz: Sicherheit geht vor

Frankreich hingegen geht es zuallererst um die Sicherheit. „Die Definition muss alleine auf den immanenten Gefahren der Substanzen beruhen, die sozioökonomischen Elemente werden erst im Managementstadium berücksichtigt“, erklärt Paris.

Die französische Regierung argumentiert: „Der Grad der Exposition der allgemeinen Bevölkerung gegenüber bestimmten erkannten und vermuteten endokrinen Disruptoren zeigt, dass es wichtig ist, schnell zu handeln, um negative Auswirkungen zu verhindern. Außerdem können die Kosten der negativen Folgen, die durch endokrine Disruptoren verursacht werden, extrem hoch sein und ihre Verringerung könnte erhebliche wirtschaftliche Vorteile haben.“

Der nächste Schritt im Verfahren, der von Industriegremien sehr unterstützt wird, ist eine Untersuchung der wirtschaftlichen Folgen.

Dieser Artikel erschien auf EurActiv France.

Hintergrund

Steigende Krebszahlen und Fertilitätsprobleme lenken die Aufmerksamkeit der Forscher auf endokrine Disruptoren. Einige fordern eine strenge Regulierung der Substanzen, im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip.

Andere Wissenschaftler betonen den Wert dieser Chemikalien für Produkte des Alltagslebens wie Plastik. Sie warnen davor, dass die wissenschaftlichen Grundlagen auf den Kopf gestellt werden, wenn Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.