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03/12/2016

„Das digitale Sicherheitsgefälle in Deutschland bleibt frappierend“

Gesundheit und Verbraucherschutz

„Das digitale Sicherheitsgefälle in Deutschland bleibt frappierend“

Einkaufen, Bankgescha?fte und Urlaubsbuchungen: Fu?r die meisten Verbraucher ist die Digitalisierung im Alltag eine Bereicherung.

[Eric Norris/Flickr]

Beim Schutz vor Cyberattacken zeigt sich bei den Deutschen ein erhebliches Sicherheitsgefälle. Trotz einer verbesserten digitalen Sicherheitslage steigt die Verunsicherung deutscher Onliner.

Verschlu?sselungstechniken, Passwortmanager, elektronische Signaturen: Knapp 60 Prozent der Deutschen bräuchten dringend Unterstützung, wenn es um Sicherheitsfragen im Internet geht. Ein Viertel der Verbraucher bewegen sich im kritischen Bereich. Dies geht aus dem DsiN-Sicherheitsindex 2015 hervor, den der Verein „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) am Dienstag in Berlin vorgestellt haben. Der Index ermittelt die digitale Sicherheitslage der Internetnutzer in Deutschland und wurde von TNS Infratest im Auftrag von DsiN durchgeführt.

Der Index hat sich bundesweit zwar leicht um 2,8 Punkte auf 63 Punkte verbessert. „Das digitale Sicherheitsgefälle in Deutschland bleibt jedoch frappierend“, sagte Hartmut Thomsen, DsiN-Vorsitzender und Geschäftsführer von SAP Deutschland.

Die leichte Verbesserung des Index sei vorrangig auf weniger sicherheitsrelevante Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen. Die Kenntnisse bei Schutzmaßnahmen stagnieren hingegen laut Studie ebenso wie die Bereitschaft, vorhandenes Sicherheitswissen anzuwenden.

„Auffällig ist die gestiegene Verunsicherung bei einem Rückgang der selbst registrierten Sicherheitsvorfälle“, erklärte Hartmut Scheffler, Geschäftsführer von TNS Infratest Deutschland. „Gefühlte und tatsächliche Gefahrenlage laufen auseinander.“

„Es gibt nur wenige Verbraucher, die ihre Daten bereits ausreichend im Internet verschlüsseln“, erklärte Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz. Tatsächlich sehen 76 Prozent der deutschen Internetnutzer eine stärkere Verantwortung für den Schutz ihrer Daten bei sich selbst. Gut 52 Prozent der Onliner stimmen zu, dass sie häufiger Sicherheitsmaßnahmen einsetzen sollten.

„Gravierend ist das enorme Sicherheitsgefälle zwischen Verbrauchergruppen in Deutschland“, so Thomsen. Insgesamt vier Nutzertypen differenziert der Index, die sich nach Sicherheitswissen und Verhalten im Netz unterscheiden. So liegt die Gruppe der sogenannten
„außenstehenden Nutzer“ nah am kritischen Schwellenwert von 50 Punkten, bei der die Sicherheitslage zu kippen droht. Sie sind meist zwischen 60 und 69 Jahren alt und machen acht Prozent der Onliner aus; ihre private Internetnutzung liegt meist bei zehn Wochenstunden.

Die Gruppe der „fatalistischen Nutzer“ konnte gegenüber 2014 um fast acht Index-Punkte zulegen (52 Punkte). Charakteristisch bleibt aber die enorme Diskrepanz zwischen guten Sicherheitskenntnissen einerseits und mangelnder Bereitschaft zur Umsetzung. Sie sind meist unter 30 Jahre alt und bis zu 20 Wochenstunden privat im Netz unterwegs. Diese Gruppe repräsentiert 17 Prozent aller Onliner in Deutschland.

Ein hohes Sicherheitsniveau (72 Punkte) gibt es der Studie zufolge nur bei den sogenannten „souveränen Nutzern“, die 42 Prozent der Internetsurfer repräsentierten.

Das digitale Sicherheitsgefälle in Deutschland sei nicht akzeptabel, erklärte Alastair Bruce, DsiN-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. „Wir brauchen eine Agenda Digitale Aufklärung 2.0, um dem Sicherheitsgefälle entgegenzuwirken. Diese umfasst einen individuellen Aufklärungsmix, der den Bedürfnissen der jeweiligen Nutzergruppe gerecht wird. Darüber hinaus ein vereinfachter Zugang zu Aufklärungsangeboten und den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.“

Weitere Informationen

DsiN Sicherheitsindex

Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz: Besserer Schutz persönlicher Daten im Internet: Einigung bei Datenschutzgrundverordnung

Bundestministerium des Innern: IT und Netzpolitik