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07/12/2016

Britische Abgeordnete fordern: Kein Mikroplastik mehr in Kosmetika

Gesundheit und Verbraucherschutz

Britische Abgeordnete fordern: Kein Mikroplastik mehr in Kosmetika

Peelings, Zahnpasta und andere Beauty-Produkte können Mikrokügelchen aus Plastik enthalten.

[Oregon State University/Flickr]

Kosmetikunternehmen sollten keine Mikroplastik mehr in Beauty-Produkten verwenden dürfen, fordern britische Abgeordnete. Ihnen zufolge verschmutzen sie die Meere und gelangen in die Nahrungskette. EurActiv-Kooperationspartner The Guardian berichtet.

Mitglieder des Umweltprüfungsausschusses in Großbritannien fordern ihre Regierung auf, ein Verbot für Mikroplastikkügelchen in Kosmetika und anderen Produkten mit einer Frist von 18 Monaten auszusprechen. Denn Billionen winziger Plastikteilchen hätten sich inzwischen in den Meeren, Flüssen und Mündungen angesammelt, wo sie den dort lebenden Spezies schaden und in die Nahrungskette eintreten würden. Pro Jahr gelangen in Großbritannien etwa 86 Tonnen von Mikroplastikkügelchen allein aus Gesichts-Peelings in die Umwelt, erfuhren die Abgeordneten.

Zur Verschmutzung durch Mikroplastik kommt es aufgrund von fragmentierten größeren Plastikabfällen, kleineren Synthetikfasern der Kleidung und Mikrokügelchen in Kosmetika und anderen Produkten. Letztere ließen sich vermeiden. Schon beim einmaligen Duschen könnten 100.000 Plastikpartikel ins Meer gelangen, warnt die Vorsitzende des Umweltausschusses, Mary Creagh.

„Wir brauchen ein umfassendes, rechtliches Verbot – vorzugsweise auf internationaler Ebene. Denn Verschmutzung kennt keine Landesgrenzen“, betont sie. „Sollte dies nach unserem Brexit-Votum nicht mehr möglich sein, muss die Regierung zumindest ein nationales Verbot einführen. Diese Verschmutzung lässt sich am besten bekämpfen, indem wir dafür sorgen, dass Plastik gar nicht erst in die Meere gespült wird.“

Inzwischen versprechen viele große Kosmetikunternehmen, bis 2020 zunehmend auf Mikroplastikkügelchen zu verzichten. Der Ausschuss zieht ein nationales Verbot mit einer Frist von 18 Monaten jedoch vor. Ein solches sei sowohl für die Verbraucher als auch für die Industrie von Vorteil, denn es wäre konsistenter, umfassender und verlässlicher, meinen die Abgeordneten. Dieses durchaus vermeidbare Umweltproblem anzugehen, würde ihnen zufolge zeigen, dass man sich auch dem umfassenderen Kampf der Verschmutzung durch Mikroplastik stellt.

Dadurch, dass Mikrokügelchen so winzig sind, gelangen sie besonders leicht in den Verdauungstrakt von Meeresbewohnern. Dabei können sie Chemikalien in die Biosphäre des Meeres transportieren.

Ein internationales Problem

Zwischen 80.000 und 219.000 Tonnen Mikroplastikteilchen gelangen jedes Jahr in die europäische Meeresumwelt. Dem kann man entgegenwirken – zum Beispiel mithilfe von Filtersystemen in der Waschmaschine oder einer verbesserten Abwasseraufbereitung. Diese Technologien gilt es, weiter zu erforschen.

„Wenn jemand sechs Austern isst, dann hat diese Person womöglich 50 Mikroplastikpartikel verschluckt. Zu den möglichen Folgen für die menschliche Gesundheit und den Auswirkungen auf die Meeresumwelt gibt es bisher kaum Forschungsarbeiten“, bemängelt der Ausschuss.

Vom Gewicht her machen größere Abfällen den höchsten Anteil von Plastik im Meer aus. Hierzu zählen zum Beispiel Flaschen, Ausrüstungsgegenstände für den Fischfang und Plastiktüten. Quantitativ dominieren jedoch Mikroplastikteilchen. Weltweit lassen sich die Mikropartikel an der Meeresoberfläche und in Küstengebieten beobachten. Sie gelangen selbst in die abgelegensten Bereiche – auch in Tiefseesedimente und ins Eis der Antarktis.

„Mikrokügelchen in Kosmetikprodukten sind ein vermeidbarer Teil der Umweltverschmutzung durch Plastikpartikel. Daher wäre es gut, sie zu regulieren“, bestätigt Richard Thompson, Leiter der internationalen Forschungseinheit für Meeresabfall an der Universität Plymouth. „Mikroplastikkügelchen sind ein globales Problem“, meint auch Tamara Galloway von der University of Exeter. „Gezeiten und Strömungen können die Schadstoffe bis in andere Länder tragen, weit weg vom Verursacher. Die entsprechenden Gesetze sollten daher idealerweise international gültig sein.“