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09/12/2016

Bericht: Immer stärkere Drogen kommen unkontrolliert auf europäischen Markt

Gesundheit und Verbraucherschutz

Bericht: Immer stärkere Drogen kommen unkontrolliert auf europäischen Markt

Drogenkonsumenten in Europa sind zunehmend Versuchskaninchen für neue Substanzen, zeigt ein EU-Bericht.

[Taki Steve/Flickr]

Süchtige in Europa laufen Gefahr, ungewollt als „Versuchskaninchen“ für eine neue Generation von synthetischen Drogen zu dienen, zeigt ein EU-Bericht. Auch der allgemeine Drogenkonsumstieg stieg demnach.

Drogenkonsumenten in Europa sind zunehmend Versuchskaninchen für neue Drogen. Vor diesem Szenario warnt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in ihrem Jahresbericht zur Lage des Drogenkonsums in Europa, den sie am heutigen Dienstag in Lissabon vorstellte. Bei dem allgemein zu beobachtenden Anstieg des Drogenkonsums gerade bei jungen Menschen sei besonders die Zunahme neuer synthetischer Drogen besorgiserregend.

2015 seien 98 neue psychoaktive Substanzen (NPS) in Drogen gemeldet worden, heißt es in dem Bericht. Im Jahr zuvor waren es 101 gewesen. Damit stieg die Zahl der NPS auf mehr als 560, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die meisten NPS würden in synthetischen Formen von Cannabis, Kokain und reinen synthetischen Drogen, sogenannten Amphetaminen, verwendet. Die Auswirkungen der NPS auf die Gesundheit der Konsumenten seien oft noch nicht bekannt.

Außerdem sei ein Comeback der Partydroge Ecstasy zu beobachten. Ihr Anteil auf dem Markt illegaler Drogen in der EU betrage aber nur drei Prozent. Rauschmittel Nummer eins in Europa bleibt laut dem EBDD-Bericht Cannabis mit 38 Prozent Marktanteil.

Deutschland hat fünfthöchste Konsumquote für Amphetamine

Immer neue und immer stärker wirkende Substanzen kämen unkontrolliert auf den europäischen Markt, ermöglicht auch durch neue Produktionstechniken und den Online-Verkauf, stellt EBDD fest. „Das Drogenproblem in Europa wird immer größer“, kommentierte der EU-Kommissar für Inneres, Dimitris Avrampopoulos, die Befunde des Drogenberichts. Avrampopoulos rief die EU-Mitgliedsstaaten, Drittländer, Internetbetreiber und die Zivilgesellschaft dazu auf, gemeinsam das wachsende Drogenproblem anzugehen.

Auch Deutschland ist von der erneuten Zunahme des Drogenkonsums betroffen. Allerdings liegen die deutschen Daten für die am meisten von Drogenkonsum
betroffene Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren meist unter dem EU-Durchschnitt. Ausnahme sind die Amphetamine. Dort weist Deutschland die fünfthöchste Konsumquote auf. Dem EU-Durschnitt von einem Prozent der 15 bis 34-Jährigen, die 2015 Amphetamine konsumiert haben, stehen in Deutschland 1,8 Prozent gegenüber.

Die EBDD veröffentlicht jedes Jahr im Auftrag der EU-Kommission einen Drogenbericht, in dem die jüngsten Entwicklungen in den EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und die Türkei aufgezeigt werden.