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20/01/2017

Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in der EU

Gesundheit und Verbraucherschutz

Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in der EU

Rauchen verursacht 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle.

[Fried Dough/Flickr]

Durch industrielle oder landwirtschaftliche Emissionen verursachte Atemwegsleiden töteten 2012 670.000 EU-Bürger. Männer waren stärker betroffen als Frauen. EurActiv Frankreich berichtet.

Die schlechte Luftqualität gehört zu den größten Risiken für die öffentliche Gesundheit in der EU, denn nach Angaben von Eurostat hängen 13 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle mit Atemwegsproblemen zusammen.

Lungenkrebs alleine ist für beinahe die Hälfte aller Todesfälle durch Atemwegsleiden verantwortlich. Insgesamt gehen 5,2 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle in der EU auf diese Krebsform zurück. Lungenentzündung, Bronchitis und andere chronische Atemwegserkrankungen sind ebenfalls häufige Todesursachen.

Männer stärker betroffen als Frauen

Die Zahl der Todesfälle durch Atemwegserkrankungen variiert von Land zu Land sehr stark. Im Vereinigten Königreich machen sie beispielsweise 20,3 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle aus, in Lettland hingegen nur 5,8 Prozent.

In Europa sind durchschnittlich 60 Prozent aller Betroffenen Männer. In Estland und Litauen liegt der Anteil der Männer sogar bei 75 Prozent. Ausnahmen dieser Regel sind Dänemark, Schweden und das Vereinigte Königreich. Dort machen Frauen etwas mehr als 50 Prozent der Todesfälle durch Atemwegserkrankungen aus.

In den meisten europäischen Ländern sterben ältere Menschen an Atemwegserkrankungen. Doch Lungenkrebs betrifft auch viele Jüngere.

Lungenkrebs

Lungenkrebs ist für rund 40 Prozent aller Todesfälle durch Atemwegserkrankungen verantwortlich. Die Grippe, Gegenstand vieler wichtiger Gesundheitskampagnen, macht hingegen nur 0,3 Prozent der Todesfälle in dieser Kategorie aus. Den geringsten Anteil an Todesfällen durch Atemwegserkrankungen hat sie in Portugal (20,9 Prozent). Am höchsten ist der Anteil mit 60,4 Prozent in Estland.

Lungenkrebs ist eine sehr verbreitete Krankheit. Am tödlichsten ist er in Europa und in Nordamerika. 90 Prozent der Fälle werden durch Rauchen und Passivrauchen verursacht. Je nach Tabak kann er unterschiedliche Formen annehmen.

Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs, sondert schädigt das gesamte Atemwegssystem. Es wird mit der Zeit anfälliger für andere Krankheiten wie Lungenentzündung oder Bronchitis.

Die Kommission beschreibt das Rauchen als „größtes, vermeidbares Gesundheitsrisiko in der Europäischen Union“. Also ist die Bekämpfung des Rauchens ein wirksamer, wenn auch indirekter Weg, Atemwegserkrankungen anzugehen.

Die Gefahr durch landwirtschaftliche Emissionen

Ein im Magazin Nature veröffentlichter Bericht stellt die Rolle der durch die Landwirtschaft ausgestoßenen Schadstoffe bei Atemwegserkrankungen heraus. Dieses Phänomen ist in China besonders schlimm. Dort bildet Ammoniak aus der Landwirtschaft zusammen mit Sulfaten aus Kohlekraftwerken einen schädlichen Cocktail.

In Europa und den USA bilden Ammoniak und Feinstaub aus Fahrzeugabgasen einen ähnlich giftigen Mix.

Neue, dieses Jahr in der EU eingeführte Emissionsstandards, sollen dieses Problem angehen. Doch Gesundheitsaktivisten kritisieren sie als zu lax. Die neue Obergrenze von 25 Mikrogramm Feinstaubpartikel pro Kubikmeter sind mehr als doppelt so hoch wie die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter. 

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