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30/09/2016

Andriukaitis: „Zu viele Menschen in der EU verlieren völlig unnötig ihr Leben“

Gesundheit und Verbraucherschutz

Andriukaitis: „Zu viele Menschen in der EU verlieren völlig unnötig ihr Leben“

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Risikofaktoren wie Tabak kosten vielen Menschen unnötig das Leben. Die Gesetzgeber müssen aufhören, das zu ignorieren, fordert EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. EurActiv Brüssel berichtet.

Erst kürzlich enthüllte eine Studie des europäischen Statistikamtes Eurostat, dass die EU eine besonders hohe Zahl „vermeidbarer Sterbefälle“ aufweist: So hätten im Jahr 2013 33,7 Prozent der insgesamt 1,7 Millionen Tode von Menschen unter 75 vermieden werden können. Das sind etwa 577.500 Leben, die man mit dem notwendigen medizinischen Wissen und der entsprechenden Technologie hätte retten können. Diese Zahl wirft ernsthafte Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme in den Mitgliedsstaaten auf. Laut Eurostat spricht man von „vermeidbaren Sterbefällen“, wenn diese durch rechtzeitige medizinische Behandlung hätten verhindert werden können.

Ost- und Südosteuropa verzeichnen den höchsten Anteil vermeidbarer Tode. Polen bildet hier eine Ausnahme. Mit seinen 31,4 Prozent liegt es unter dem EU-Durchschnitt von 33,7 Prozent. Spitzenreiter sind Rumänien und Lettland, wo der Anteil bei 49,4 beziehungsweise 48,5 Prozent liegt. Litauen folgt dicht auf mit 45,4 Prozent, dann die Slowakei mit 44,6 Prozent. Besonders gut hingegen schneiden Frankreich (23,8 Prozent), Dänemark (27,1 Prozent), Belgien (27,5 Prozent) und die Niederlande (29,1 Prozent) ab.

Herzinfarkte und Schlaganfälle

Der Eurostat-Studie zufolge waren Herzinfarkte und Schlaganfälle 2013 die häufigste Ursache potenziell vermeidbaren Ablebens. So starben in dem Jahr etwa 184.800 Menschen unter 75 unnötigerweise an einem Herzinfarkt. Das sind 32 Prozent aller vermeidbaren Todesfälle. Es folgen Schlaganfälle (93.900 oder 16 Prozent), Darmkrebs (67.000 oder zwölf Prozent), Brustkrebs (50.800 oder neun Prozent), Bluthochdruckerkrankungen (28.700 oder fünf Prozent) und Lungenentzündung (24.100 oder vier Prozent).

Dennoch ist die Zahl der tödlichen Herzinfarkte und Schlaganfälle laut Studie zwischen 2000 und 2013 stark zurückgegangen. Machten sie 2000 noch 16,6 Prozent der vermeidbaren und 11,5 Prozent aller Sterbefälle aus, lag ihr Anteil drei Jahre später bei 12,9 beziehungsweise 8,7 Prozent. Auch in dieser Unterkategorie weist Frankreich die niedrigste Sterberate auf.

Die Instrumente sind da

Viele Risikofaktoren würden auf Kosten der Gesundheit der EU-Bürger vernachlässigt, erfährt EurActiv von EU-Gesundheitsminister Andriukaitis. „In der EU und darüber hinaus ignoriert man zu viele der eigentlichen Risikofaktoren: Tabak, ungesunde Ernährung, Mangel an Bewegung, übermäßiger Alkoholkonsum, Stress oder auch weitreichende gesellschaftliche Probleme wie ungesunde Wohn- und Arbeitsbedingungen. Zu viele Tode lassen sich eigentlich vermeiden. Zu viele Menschen verlieren völlig unnötig ihr Leben“, betont er. Dabei gebe es bereits die Mittel, um das zu verhindern. „Sie [die Instrumente] liegen in den Händen der Entscheidungsträger auf sämtlichen Ebenen. Wir müssen also alle Verantwortung dafür übernehmen, eine gesunde Lebensweise zu fördern und Krankheiten vorzubeugen.“

Risikofaktor Rauchen

Vor nicht allzu langer Zeit übte der Gesundheitskommissar scharfe Kritik an der Tabakindustrie. Sie bringe schlicht und ergreifend Menschen um und sei mit Terrorismus zu vergleichen. Mit Blick auf den Weltnichtrauchertag am 31. Mai und eine Woche nach Inkrafttreten der neuen Tabakrichtlinie besteht Andriukaitis darauf, dass die Kommission entschlossen die EU-weiten Raucherzahlen senken werde. „Rauchen allein ist in der EU für das frühzeitige Ableben von 700.000 Menschen im Jahr verantwortlich. Ich hoffe, die Tabakrichtlinie wird EU-weit die Zahl der Raucher immer weiter senken und die Gesundheit sowie das Wohlbefinden unserer Bürger verbessern. So wollen wir die Erkrankungsraten deutlich senken und vorzeitige Sterbefälle verhindern.“

Zeitstrahl

  • 31. Mai: Weltnichtrauchertag

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