PSD und SEPA – Die neue EU-Richtlinie über Zahlungsdienste

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Die EU-Kommission hat ihre Pläne für eine neue Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD 2) vorgestellt. Sie soll einen integrierten europäischen Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen schaffen, den Wettbewerb stärken und so eine Win-Win-Situation für Kunden und Anbieter bringen. EURACTIV erläutert, was Bürger und Unternehmer über SEPA, IBAN, BIC und die neue PSD wissen sollten.

Hintergrund

-- aktualisiert am 7. Januar 2014 ---

Die Europäische Kommission hat am 24. Juli 2013 zwei EU-Gesetzentwürfe vorgestellt: einen Vorschlag zur Änderung der Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Services Directive, PSD 2) und einen Vorschlag für eine Verordnung über Interbankenentgelte für kartengestützte Zahlungsvorgänge.

Mit den neuen Vorschriften will die Kommission durchsetzen, dass Kunden, die im Laden oder im Internet mit einer Kredit- oder Debitkarte (EC-Karte) bezahlen, künftig keine zusätzlichen Gebühren bezahlen müssen. Dazu werden die Interbankenentgelte (MIFs) deutlich gekappt. Bei Debitkarten soll die Obergrenze künftig 0,2 Prozent des Transaktionswerts betragen, bei Kreditkarten 0,3 Prozent. Bislang sind in Deutschland Interchangegebühren von durchschnittlich 1,5 Prozent üblich.

MIFs sind ein Entgelt, das der Einzelhändler bei jeder an seiner Verkaufsstelle ausgeführten elektronischen Zahlung an die Bank des Kartennutzers abführen muss - egal ob der Kunde eine Kredit- oder eine Debitkarte benutzt. Die Konsumenten müssen diese Gebühren nicht direkt bezahlen, das ist Aufgabe des Verkäufers, der die Bezahlung per Kreditkarte anbietet. Doch normalerweise reicht der Verkäufer die Kosten an die Kunden weiter, indem er die Preise seiner Produkte erhöht.

Die Kommission erhofft sich von den abgesenkenten Interbankenentgelten, dass Europas Händler einen Kostenvorteil von sechs Milliarden Euro pro Jahr erzielen, der im Idealfall durch gesenkte Preise an die Konsumenten weitergegeben wird.

"Die von den Einzelhändlern gezahlten Interbankenentgelte werden letztendlich auf die Verbraucher abgewälzt. Diese sind sich darüber meistens nicht im Klaren und werden durch Treuesysteme auch noch zur Nutzung der Karten ermutigt, die ihren Banken die größten Einnahmen bringen", sagte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia bei der Vorstellung der Kommissionsvorschläge.

Die Verbraucher werden zudem direkt entlastet, weil weder in einem Geschäft noch im Internet eine zusätzliche Gebühr für das Bezahlen mit Kreditkarte erhoben werden darf. Die Kommission rechnet damit, dass Europas Konsumenten dadurch jährlich 730 Millionen Euro einsparen können.

"Unser Vorschlag wird Internet-Zahlungen für Einzelhändler und Verbraucher billiger und sicherer machen und so den digitalen Binnenmarkt fördern", sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Für die geänderte Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2 hebt die Kommission folgende neue Elemente hervor:

- Die sogenannten Zahlungsauslösedienste werden in den Anwendungsbereich der PSD II aufgenommen. Dabei handelt es sich um Dienste, die zwischen dem Händler und der Bank des Käufers angesiedelt sind und Zahlungen ohne Kreditkarte ermöglichen. Diese Dienstleister werden nun den gleichen Regulierungs- und Aufsichtsstandards unterliegen wie alle anderen Zahlungsinstitute.

- Bei nicht autorisierten Kartenzahlungen darf der Verlust für den Verbraucher künftig nicht über 50 Euro hinausgehen (gegenüber derzeit 150 Euro).

- Bei Überweisungen und Finanztransfers außerhalb Europas sowie bei Zahlungen in Nicht-EU-Währungen sollen die Rechte der Verbraucher gestärkt werden.

- Neue Anbieter und die Entwicklung innovativer Mobiltelefon- und Internetzahlungen in Europa sollen durch PSD 2 gefördert werden.

Die Vorschläge müssen nun im Rat und im Parlament behandelt und verabschiedet werden. Danach gilt eine Übergangsfrist von zwei Jahren bis die neuen tatsächlich greifen.

Hintergrund

Ende 2005 hat Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy eine Gesetzesinitiative vorgeschlagen, um Hindernisse beim europäischen Zahlungsverkehr zu beseitigen. Nach intensiver Debatte verabschiedete der Ministerrat im März 2007 die Richtlinie über Zahlungsdienste (Payment Services Directive, PSD).

Dem Kompromiss war ein monatelanger Streit vorausgegangen, bei dem sich Großbritannien und Schweden auf der einen und Frankreich, Italien und Spanien auf der anderen Seite gegenüberstanden. Erstgenannte wollten die Bestimmungen für bankenfremde Zahlungsanbieter liberalisieren, während der Mittelmeerblock die Regeln insbesondere für Kreditvergaben verschärfen wollte.

Letztendlich einigte man sich darauf, dass bankenfremde Finanzdienstleister grenzüberschreitende Kredite mit einer Laufzeit von maximal 12 Monaten gewähren dürfen. Nationale Kreditangebote unterliegen dagegen keinen Restriktionen.

Doch während die ursprüngliche Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wurde, fand eine regelrechte Revolution des internetbasierten Handels statt. Gleichzeitig verbreitete sich die Nutzung von Smartphones. Beide Entwicklungen ermöglichen neue Zahlungsmethoden. Zum Beispiel ersetzten elektronische Brieftaschen zunehmend ihre traditionellen Vorgänger oder physische Karten. Auch im öffentlichen Verkehr sind Reisende nun mit in Mobiltelefonen gespeicherten virtuellen Fahrkarten unterwegs. Online-Einkäufe erreichten 2009 in der EU ein Volumen von 141 Millionen Euro, 2014 werden es voraussichtlich 190 Millionen Euro.

Im Januar 2012 stellte die EU-Kommission ein Grünbuch mit dem Titel "Ein integrierter europäischer Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen" vor. Als Hauptthemen werden darin genannt der Marktzugang für alte und neue Anbieter, Sicherheitsanforderungen und Datenschutz, transparente Preisbestimmungen sowie die Standardisierung und Kompatibilität zwischen Dienstleistern.

Die PSD wird oft zusammen mit dem Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA: Single Euro Payments Area) genannt. Tatsächlich handelt es sich bei SEPA jedoch um eine eigenständige Regelung, die als eine freiwillige Initiative der europäischen Bankenindustrie begann. Ein Konsortium, der European Payments Council (EPC), ist mit der praktischen Umsetzung des einheitlichen Zahlungsraums beauftragt. Die PSD bietet de facto die nötige rechtliche Basis für SEPA.

Probleme

Die Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) soll einen einheitlichen europäischen Markt für den Zahlungsverkehr schaffen, der im Idealfall Kostenvorteile für die Konsumenten und die Zahlungsdienstleister bringt. Die Richtline ist außerdem essentiell für das Entstehen des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA, welcher in der gesamten EU einheitliche Prozeduren und Verpflichtungen bei Kredittransfers, Direktbelastungen und Bankkarten einführt.

Gemeinsamer europäischer Zahlungsverkehrsmarkt

Bis heute hemmen rechtliche und technische Hürden die Schaffung eines einheitlichen europäischen Markts für Bezahldienste. Das Hauptziel der Richtlinie ist deshalb, die bestehenden Hindernisse zu beseitigen.

Die Kommission erwartet durch PSD und SEPA beeindruckende Einsparungen von jährlich 122 Milliarden Euro. Etwa 100 Millionen Euro sollen allein durch die Umstellung auf elektronische Abrechnungen eingespart werden, so die Schätzungen.

Die Richtlinie bietet einen zusätzlichen Vorteil: Die Zahlungen müssen nicht mehr über ein bestimmtes Konto bei einer spezifischen Bank abgewickelt werden, sondern können über neue Kanäle laufen, zum Beispiel direkt über Versorgungsunternehmen oder Telekommunikationsanbieter, die entsprechende Bestimmungen erfüllen.

Auch können dank PSD künftig alle Debitkarten EU-weit benutzt werden. Bei den Konsumenten sind diese Bankkarten beliebt, weil sie in vielen Geschäften – anders als Kreditkarten – auch für kleine Beträge akzeptiert werden.

Es gibt aber auch Bedenken, dass die PSD zu einem europäischen Zahlungsmarkt mit einem Duopol für Geldkarten wird. Schließlich drängen die dominanten Player Visa und Mastercard immer stärker in die zuvor geschützten Märkte nationaler Kartenmodelle vor. Möglicherweise bieten die Banken ihren Kunden auch deshalb lieber Kreditkarten an, weil sie dann von den Händlern, die ihre Kunden mit Kreditkarten bezahlen lassen, höhere Gebühren verlangen können.

Altes Bargeld und neues e-Geld

Die EU-Kommission rechnet damit, dass ein stärkerer Wettbewerb unter Zahlungsdienstleistern die Kunden dazu animieren wird, auf elektronische Zahlungsmittel umzusteigen (Plastikkarten, Smart-Cards oder Mobiltelefone). Bargeld wird durch diese Entwicklung mehr und mehr verdrängt.

Die durch den Zahlungsverkehr entstehenden Kosten betragen laut Kommission rund drei Prozent des europäischen Bruttoinlandprodukts. Sie entstehen vor allem durch das Bargeld. Die Abschaffung von Münzen und Geldscheinen würde der europäischen Wirtschaft "enorme" Einsparungen ermöglichen, ist die Kommission überzeugt. Bargeld ist in der Herstellung teuer und auch nicht so sicher wie. So sei es leichter Bargeld zu stehlen und zu verwenden, als elektronische Zahlungsmittel, so ein Argument.

Doch auch die Nutzung von Bargeld ist teuer. Die Kommission beziffert die Kosten einer Bargeldtransaktion auf 30-55 Euro-Cents. Dieser Betrag wird von den Händlern bereits in den Produktpreis einberechnet. Eine elektronische Überweisung kostet dagegen nur wenige Euro-Cents.

Der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA

SEPA soll die Verfahren und Verpflichtungen bei Überweisungen, Lastschriften und Bezahlkarten in der ganzen EU harmonisieren. Je mehr Händler, Verkäufer und Konsumenten im einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum agieren, desto höher ist der Anreiz für Zahlungsdienstleister, zügig auf SEPA umzustellen. Noch ist die Umsetzung von SEPA von Land zu Land aber sehr unterschiedlich und lückenhaft. Dabei gibt es einen festen Zeitplan, wann die Mitgliedsstaaten die neuen Regeln umsetzen müssen: Die Euro-Länder haben dafür noch bis zum 1. Februar 2014 Zeit. Die Deadline für Nicht-Euro-Ländern ist – für Überweisungen in Euro – der 31. Oktober 2016.

Grundsätzlich erfordert die SEPA-Verordnung als Kontokennungen IBAN (International Bank Account Number, internationale Kontonummer) als auch BIC (Business Identifier Code, internationale Bankleitzahl). Ab 1. Februar 2016 soll der Kunde aber von der verpflichtenden Angabe des BIC gänzlich befreit werden. Für nationale Zahlungen gilt diese Regelung in Deutschland bereits ab dem 1. Februar 2014. Darüber hinaus können Zahlungsdienstleister in Deutschland bis zum 1. Februar 2016 weiterhin die bekannten althergebrachten Kontoidentifikatoren (Kontonummer und Bankleitzahl) nutzen. In diesem Fall würde der Zahlungsdienstleister eine kostenlose und sichere Konvertierung in die IBAN durchführen.

Doch trotz der zahlreichen Übergangsfristen ist zweifelhaft, ob alle Euro-Länder die zeitlichen Vorgaben der SEPA-Umstellung erfüllen. In Italien zum Beispiel verläuft die Umsetzung bisher sehr langsam. Es gibt auch nationale Besonderheiten, die die Einführung von SEPA verkomplizieren. So ist das Elektronische Lastschriftverfahren ELV in Deutschland fest etabliert und bei den Kunden beliebt. Daher wurde dafür eine nationale Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2016 vorgesehen. Bis dahin soll der Handel als Alternative für ELV eine verordnungskonforme, SEPA-basierte Lösung für das Zahlverfahren mittels Karte und Unterschrift bereitstellen.

Auch wurde lange darum gerungen wie die rund 700 Millionen bestehenden Einzugsermächtigungen in rechtsgültige SEPA-Mandate umgewandelt werden können. Das in Deutschland lange bestehende Problem der Verwendung bereits erteilter Einzugsermächtigungen im nationalen Lastschriftverfahren wurde inzwischen gelöst. Die Verordnung sichert die Nutzung der deutschen Einzugsermächtigungen als SEPA-Mandate.

In Frankreich dagegen sind Karten das Zahlungsinstrument Nummer 1. Doch auch Schecks sind als Zahlungsmittel beliebt, während sie in vielen anderen Mitgliedsstaaten im alltäglichen Gebrauch keine Rolle mehr spielen.

Ist SEPA einmal in Kraft, wird es den Zahlungsverkehr revolutionieren, so die Erwartungen der Kommission. Große Elektrizitäts- und Telekommunikationsfirmen wahrscheinlich noch im laufenden Jahr auf das SEPA-System umstellen.

Neue Bezahlsysteme, neue Anbieter

Wer in Japan einkaufen will, kann seine Brieftasche getrost zuhause lassen. Zum Bezahlen genügt das Mobiltelefon mit einem integrierten Chip oder eine Smart-Card, über die das Prepaid-Guthaben aufgeladen und ausgegeben werden kann.

In London bezahlen die wenigsten U-Bahnfahrenden ihr Ticket noch in bar. Die meisten nutzen die sogenannte Oyster-Card, eine Magnetkarte mit einem Prepaid Guthaben. Vielfahrer können sich auch monatlich oder jährlich eine Rechnung schicken lassen.

Es gibt weitere neue Bezahlmodelle: Einkaufszentren bieten weltweit Kundenkarten mit Kreditkartenfunktionen an, Migranten transferieren per SMS Geld in ihre Heimat.
Ein Ziel der überarbeiteten Richtlinie über Zahlungsdienste ist deshalb, die Markteintrittsbarrieren für neue Bezahlanbieter wie Telekommunikationsunternehmen, Supermärkte oder Geldtransferunternehmen abzuschaffen. Nicht nur der Wettbewerb in den einzelnen Mitgliedsstaaten soll dadurch gefördert werden. Auch der grenzüberschreitende Wettbewerb soll so stärker werden.

Für die traditionellen Banken bedeuten die neuen Anbieter neue Konkurrenz. Es ist nicht auszuschließen, dass Konsumenten bald ihr Mobiltelefon für Transaktionen nutzen, die sie heute noch auf klassischem Weg über ihr Bankkonto abwickeln.

Positionen

Herbert Reul (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament bezeichnet die Deckelung der Gebühren als einen sinnvoller Ansatz. "Besonders bei grenzüberschreitenden Zahlungen per Kreditkarte fallen derzeit noch unverhältnismäßig hohe Gebühren von bis zu 1,5 Prozent an, was nach Urlaubsreisen für unangenehme Überraschungen sorgen kann. Generell kann eine Gebührendeckelung den bargeldlosen Zahlungsverkehr weiter verbreiten. Da haben wir in Deutschland noch Luft nach oben. Zumal Bargeldzahlungen auch nicht 'umsonst' sind, weil dem Einzelhandel durchaus Kosten für die Vorhaltung und den sicheren Transport von Bargeld entstehen. In den parlamentarischen Beratungen zur künftigen EU-Verordnung werden wir uns dafür einsetzen, dass die Verbraucher von den Gebührendeckelungen in jedem Fall profitieren und dem Einzelhandel keine unverhältnismäßigen Belastungen bei einem Umstieg auf bargeldlose Zahlungen entstehen", so Reul.

Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, begrüßt den Kommissionsvorschlag ebenfalls. "Die Gebühren für das Bezahlen mit Kreditkarten müssen sich denen des Bargelds endlich annähern", so Ferber. Für Händler sei es meist günstiger, wenn Kunden mit Bargeld bezahlen, als mit Kreditkarten, deswegen würden viele diese Bezahlmöglichkeit gar nicht erst anbieten. Ferber verwies darauf, dass das Europäische Parlament die Interbankenentgelte am liebsten ganz abschaffen würde. "Da für Überweisungen und Lastschriften in Euro gemäß der SEPA-Verordnung nach dem 1. Februar 2017 keine Multilateral Interchange Fee (MIF) pro Zahlungsverkehr mehr erhoben werden darf, fordert das EU-Parlament dieselbe Herangehensweise in Bezug auf Kartenzahlungen", zitiert Ferber aus einem Entschließungsantrag des Parlaments von 2012.

Bei den nun anstehenden Verhandlungen müsse genau darauf geachtet werden, dass die Kunden oder die kleinen Händler am Ende nicht auf den Kosten sitzen bleiben. "Dass Firmen wie VISA und MasterCard diese Horrorszenarien aussprechen ist klar, denn mit der Regulierung bröckelt ein Teil ihres Geschäftsmodells. Aber als Parlament werden wir Wege finden, dass der Verbraucher von der Gebührensenkung profitiert und nicht am Ende der Zahlmeister ist", so Ferber.

Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, begrüßte den Vorschlag ebenfalls: "Darauf haben Handel und Verbraucher gewartet. Die Abzockerei mit Kredit- und Bankkarten soll endlich aufhören. 10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro. Es ist auch nicht akzeptabel, dass Kreditkarten in Deutschland durchschnittlich 1,8 Prozent des Umsatzes kosten, während es in Frankreich nur 0,5 Prozent sind. Dafür werden letztlich wieder die Konsumenten zur Kasse gebeten. Das Oligopol weniger Kartenanbietern wie Visa und MasterCard verhindert einen effektiven Wettbewerb. Händler sind durch die Marktmacht der Anbieter faktisch gezwungen, die Karten mit ihren frechen Gebühren zu akzeptieren. Die EU-Komission will nun die Regeln im Interesse von schärferem Wettbewerb verändern. Das ist gut. Solange jedoch die Marktmacht besteht, sind auch die direkten Preisobergrenzen berechtigt. Wo der Wettbewerb nicht funktioniert und Missbrauch vorliegt, muss der Staat eingreifen."

Javier Perez, Präsident von MasterCard Europe, warnt vor möglichen negativen Nebeneffekten. "Wir unterstützen die Ziele der Kommission, doch wir sind besorgt, dass einige der vorgeschlagenen Gesetzesinitiativen, etwa die Kappung der Interbankenentgelte und die Beschränkung der "Honour All Cards Rule" [, die einen Händler zur Annahme aller Karten verpflichtet], diese Ziele nicht unterstützen, sondern vielmehr den Konsumenten und kleinen Händlern schaden und Unanehmlichkeiten bereiten werden. Außerdem werden diese Vorschläge Wettbewerb und Innovation auf dem europäischen Zahlungsarkt behindern", so Perez. "Wir werden mit der Kommission, dem EU-Parlament und dem Ministerrat gern während des Gesetzgebungsprozesses zusammenarbeiten, um mitzuhelfen einen geetzlichen Rahmen zu schaffen, der das Wachstum elektronischer Zahlungen fördert und zugleich den Wert elektronischer Zahlungen für die Konsumenten und die Händler erhält", so Perez.

Christian Verschueren, Generaldirektor des europäischen Verbands der Einzelhändler Eurocommerce begrüßte die Kommissionsvorschläge als "sehr signifikanten Schritt", um mehr Wettbewerb und Transparenz in den Zahlungsmarkt zu bringen. "Das dürfte den Einzelhändlern erlauben, die Einsparungen an die Konsumenten weiterzureichen, um ihnen wirkliche Vorteile in diesen schweren Zeiten zu geben." Die Behauptungen von Kartenanbiertern, dass die Einzelhändler die Kostenvorteile nicht weiterreichen würden, wies Verschueren als "unsinnig" zurück. "Preiswettbewerb und das Beseitigen von Ineffizienz steckt in der DNA der Einzelhändler. Mithilfe der vorgeschlagenen Kappung der MIFs und der weiteren Maßnahmen können die Händler wieder mehr Kontrolle über Kosten gewinnen und die Konsumenten bekommen mehr Bezahloptionen. Dennoch bleiben die Vorschläge hinter dem Ideal zurück: Die Händler hätten gehofft, dass das gesamte MIF-System abgeschafft wird, auf jeden Fall für die Debitkarten", so Verschueren.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), sieht die Pläne der EU-Kommission zur Deckelung der Bankenentgelte für den Handel als Schritt in die richtige Richtung. "Allerdings sollten aus unserer Sicht die Gebühren völlig abgeschafft werden", sagte Genth. "Die Deckelung der Gebühren kommt allen Kunden zugute. Denn bislang blieb den Händlern nichts anderes übrig, als die anfallenden Kosten auf die Preise umzulegen." Allerdings sei die Umstellungsfrist von zwei Jahren ist zu lang. "Es gibt keinen vernünftigen Grund, der Kreditwirtschaft noch so lange die Möglichkeit zu geben, mit diesen überflüssigen Gebühren Geld zu verdienen", so Genth.

Für Monique Goyens, Generaldirektorin der europäischen Verbraucherverbandes BEUC, ist die Rechnung aus Sicht der Verbraucher einfach: "Sie wollen sichere, billige und einfache Bezahlmöglichkeiten. Diese neuen Gesetze bereiten den Weg dafür." So seien Interbankenentgelte eine bequeme Einnahmequelle für Banken und Kartenanbieter. "Doch sie verhindern den Markteintritt neuer Anbieter, die billigere und sichere Lösungen anbieten, weil den Banken diese Einnahmen verloren gehen würden. Dass diese unfairen Zusatzgebühren bald der Vergangenheit angehören werden, ist eine gute Nachricht. Unternehmen haben sie schamlos genutzt, um einen Extra-Profit von Leuten herauszuholen, die mit Karte bezahlen", sagte Goyens.

Enn-Toivo Annuk, Vorsitzender des estnischen Verbraucherschutzverbandes, widerspricht dieser Analyse. "Der Kommissionsplan, die Interbankenentgelte zu regulieren ist rin technischer Natur, da die Kosten des Systems selbst nicht gesenkt werden. Bisher wurden die Interbankenentgelte von Händlern und Konsumenten gleichermaßen bezahlt. Die neuen Pläne sehen vor, dass die Kosten jetzt allein von den Kartenbesitzern bezahlt werden müssen. Deswegen wird das Begrenzen und das Gleichmachen der Interbankenentgelte die Kosten für die Konsumenten erhöhen und die Karten ausgebenden Banken dazu zwingen, die Preise für die Konsumenten zu erhöhen", so Annuk.

Zeitstrahl

- 1. Dezember 2005: Kommissionsvorschlag zu PSD

- 13. November 2007: Anpassung und Veröffentlichung der PSD im offiziellen EU-Journal

- 1. November 2009: Erste Deadline für die Einführung von SEPA für Debitkarten

- 1. November 2009: Erste Deadline für die Umsetzung der PSD in den EU-Mitgliedsstaaten

- 24. November 2009: Der European Payment Council (EPC) und das Money Forum vereinbaren die Einführung von Zahlungen via Mobiltelefon

- 30. November 2009: Einzelhändler und Konsumentenorganisationen begrüßen die Einfürhung von SEPA unter Vorbehalten

- Mitte 2010: Zweite Deadline für die Umsetzung der PSD in den EU-Mitgliedsstaaten

- 31. Dezember 2010: Deadline für die Ablösung bisheriger Kreditkarten durch SEPA-konforme Kreditkarten

- 11. Januar 2012: EU-Kommission veröffentlicht Grünbuch: "Ein integrierter europäischer Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen"

- 11. April 2012: Ende der Konsultierungsphase zum Grünbuch

- 24. Juli 2013: Gesetzesentwurf der EU-Kommission und Veröffentlichung eines Berichts zur Folgenabschätzung

- Dezember 2013: Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments veröffentlicht Berichtsentwürfe zu Richtlinie und Verordnung

- 7. Januar 2014: Stakeholder-Veranstaltung zu beiden Papieren im EU-Parlament

- 9. Januar 2014: Frist zur Einreichung von Änderungsanträgen im Parlament

- 20. Februar 2014: Parlament will Abschlussberichte für den Ausschuss vorbereitet haben

- 2. April 2014: Das Parlament beabsichtigt, über beide Papiere während der Plenarsitzung in Straßburg abzustimmen

Weitere Informationen

EURACTIV Brüssel: Payment Services Directive: The new payments landscape

Dokumente

Kommission: Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD)

Kommission: Vorschlag für eine Richtlinie über Zahlungsdienste (Entwurf, 24. Juli 2013)

Kommission: EU deckelt Kartengebühren und erleichtert günstige Zahlungsdienste (Pressemitteilung, 24. Juli 2013)

Kommission: Neue Vorschriften für Zahlungsdienste (Pressemitteilung, 24. Juli 2013)

Kommission: Payment Services Directive and Interchange fees Regulation: FAQ (24. Juli 2013)

Kommission: Joaquín Almunia: Introductory remarks on proposal for regulation on interchange fees for cards, Internet and mobile payments (24. Juli 2013)

Kommission: Grünbuch: Ein integrierter europäischer Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen (11. Januar 2012)

Kommission: Frequently Asked Questions (11 January 2012)

Kommission: Feedback statement from the consultation (27 June 2012)

Kommission: Replies to the consultation (27 June 2012)

Kommission: Antitrust: Commission sends Statement of Objections to Visa

Kommission: Press release on MasterCard's decision to cut MIFs

Kommission: Single Euro Payments Area (SEPA)

Kommission: SEPA-Migration

Weitere EU-Dokumente

Offizielle deutsche Dokumente

Bundesbank: SEPA - Aktuelle Stand
Bundestag: Koalitionsfraktionen wollen gängige Überweisungs- und Lastschriftverfahren erhalten (12. Mai 2011)

Wirtschaft & Industrie

SpecialReport: Neue Richtlinie über Zahlungsdienste

PSD II: Zu viele EU-Regeln gefährden SEPA (12. Juli 2013)

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