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06/12/2016

Verbrauchende Embryonenforschung: Schavan pocht auf Nein der EU

Forschung und Innovation

Verbrauchende Embryonenforschung: Schavan pocht auf Nein der EU

"Es darf auf europäischer Ebene keinen Anreiz geben für die verbrauchende Embryonenforschung", sagt Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Foto: dpa

Nach Auffassung von Annette Schavan (CDU) darf es auf europäischer Ebene keinen Anreiz für verbrauchende Embryonenforschung geben. Die Bundesforschungsministerin spricht sich dafür aus, künftig auch auf europäischer Ebene „möglichst viele Mittel“ für alternative Forschung wie die an adulten Stammzellen zur Verfügung zu stellen.

Die Gewinnung embryonaler Stammzellen darf der Bundesregierung zufolge auch in Zukunft nicht von der EU finanziert werden. Dies erklärte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Mit Blick auf die anstehenden Beratungen über die EU-Forschungsförderung sagte Schavan, dass es aus deutscher Sicht "nicht verantwortbar" sei, bei einer für die regenerative Medizin notwendigen Forschung Embryonen zu zerstören. Die CDU-Politikerin will sich daher bei den Beratungen im neuen Jahr für die Verlängerung einer Protokollerklärung einsetzen, in der eine Förderung von Forschungstätigkeiten mit EU-Mitteln explizit ausgeschlossen wird, bei denen menschliche Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen zerstört werden. Schavan zufolge sollen die Beratungen über die EU-Forschungsförderung bis zum Sommer abgeschlossen sein.

Schavan sprach sich gegenüber AFP dafür aus, künftig auch auf europäischer Ebene "möglichst viele Mittel" für alternative Forschung wie die an adulten Stammzellen zur Verfügung zu stellen. In Deutschland habe es in diesem Bereich in den vergangenen Jahren "erhebliche Fortschritte" gegeben. "Da haben wir auch die Chance, international Vorreiter bei einer Stammzellforschung zu sein, die ethisch unbedenklich ist", so Schavan.

Die EU-Kommission hatte Ende November ein Paket von Maßnahmen zur Förderung von Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorgelegt (EurActiv.de vom 30. November 2011). EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn kündigt mit "Horizont 2020" ein 80 Milliarden Euro schweres Programm für Investitionen in Forschung und Innovation an.

Die EU-Staaten gehen mit der Forschung an embryonalen Stammzellen sehr unterschiedlich um. In Großbritannien und Spanien gibt es vergleichsweise lockere Regeln in der Stammzellenforschung. Deutsche Forscher dürfen befruchtete Eizellen für Forschungszwecke nutzen, müssen diese jedoch aus dem Ausland importieren. Forscher setzen menschliche embryonale Stammzellen zum Beispiel in der Forschung gegen Herzerkrankungen, Parkinson und Blindheit ein.

dto

Links

Dokumente

EuGH: Urteil zur Patentierung embryonaler Stammzellen (18. Oktober 2011)

Presse

AFP: Schavan: EU-Nein zu verbrauchender Embryonenforschung (26. Dezember 2011)

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Keine Patente auf embryonale Stammzellen (21. Oktober 2011)