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24/08/2016

EU-Parlament verabschiedet Horizon 2020

Forschung und Innovation

EU-Parlament verabschiedet Horizon 2020

Horizon 2020 ist das weltweit größte Förderprogramm für Forschungsprojekte. Foto: dpa

Die EU-Forschungspolitik für die kommenden sieben Jahre ist unter Dach und Fach. Das Europaparlament verabschiedete heute in Straßburg das Rahmenprogramm “Horizon 2020”. Rund 70 Milliarden Euro an Fördergeldern wird die EU nun bis 2020 in europäische Forschungs- und Technologieprojekte investieren.

Das Plenum des EU-Parlaments hat am Donnerstag dem Kompromiss über das im Januar startende Forschungsprogramm "Horizon 2020" mit großer Mehrheit zugestimmt.

"Wir haben monatelang mit Ministerrat und EU-Kommission für ein attraktives Forschungsförderungsprogramm in Europa gekämpft, und das Ergebnis kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen", sagt Forschungsexperte Norbert Glante, der als Berichterstatter für die sozialdemokratische Fraktion Teil des Verhandlungsteam war.

Ein vereinfachtes Finanzierungsmodell und unbürokratische Abläufe sollen mehr potenzielle Programmteilnehmer wie Universitäten, Forschungsinstitute und  Unternehmen ansprechen, für die die Anmeldeverfahren bisher zu bürokratisch und langwierig waren.

Reinhard Bütikofer, industriepolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen/EFA im EU-Parlament, erklärt, dass man in den Verhandlungen grüne Akzente habe setzen können: "So müssen 85 Prozent des Energieforschungshaushalts in Nachhaltigkeit fließen, von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz bis zu Energiespeichertechnologien und Smart Grids. Dass die Human- und Sozialwissenschaften weiterhin wichtiger Bestandteil der europäischen Forschungspolitik sind, konnten wir auch erfolgreich durchsetzen. Des Weiteren begrüßen wir, dass bedeutende Finanzmittel der Rohstoffforschung und der Innovation diesem Bereich gewidmet sind."

"Der Mittelstand wird stärker profitieren, die Antragsprozeduren werden gestrafft und die Forschungspolitik mit der Strukturförderung verzahnt. Das ist ein wirklich innovativer Ansatz mit viel europäischem Mehrwert", sagte der CDU-Europaabgeordnete Christian Ehler, Berichterstatter des Europaparlaments für die Beteiligungsregeln von Horizon 2020. Es sei das "größte Förderprogramm für Forschung und Entwicklung der Welt und ein Lichtpunkt im gerade erst beschlossenen Sparhaushalt der EU", so der CDU-Forschungspolitiker.

Das Programm soll stärker als sein Vorgänger Innovation in Europa fördern. "Dafür sorgen etwa spezielle Förderinstrumente für forschungsintensive kleine und mittlere Unternehmen, ein KMU-Ziel von 20 Prozent und ein neues Bottom-Up-Instrument, der so genannte ‘Fast Track to Innovation’", sagte Ehler.
 
"Dazu werden eine massive Vereinfachung des Regelwerks, eine Verkürzung der Antragsdauer auf acht Monate und ein besseres Zusammenspiel zwischen Horizon 2020 und der europäischen Strukturfondsförderung das Programm für ganz neue Teilnehmerkreise attraktiv machen. Seit Beginn der EU-Forschungsrahmenprogramme 1984 konnte noch kein EU-Parlament den Kommissionsvorschlag so deutlich zugunsten der Teilnehmer verändern", sagte der CDU-Abgeordnete.

Insgesamt geht es um mindestens 11,6 Milliarden Euro, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu Gute kommen werden. Die etwa 23 Millionen KMU in der EU machen 99 Prozent aller Unternehmen und zwei Drittel aller privaten Arbeitsplätze aus.   
 
Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Delegation, Jürgen Creutzmann, nannte den Beschluss des Plenums ein "klares Bekenntnis der EU zur Bedeutung der KMU beim Kampf gegen Rezession, Kreditklemme und Arbeitslosigkeit".

"KMU sind die größten Innovationstreiber. Es geht aber zur viel Potenzial verloren, weil junge Unternehmen mit neuen Ideen keinen Kredit bei ihrer  Bank erhalten und Investoren vor Risiken zurückschrecken. Europa darf aber im globalen Wettbewerb um Innovationen nicht weiter ins Hintertreffen geraten", so Creutzmann.
 
dto

Links

EU-Parlament: Horizon 2020 research programme: more support for small firms and new players (21. November 2013)

EurActiv Brüssel: Boosted research budget passes Parliamentary hurdle (22. November 2013)