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29/07/2016

EU-Forschungspolitik – “Vereinfachung, nicht Gleichmacherei”

Forschung und Innovation

EU-Forschungspolitik – “Vereinfachung, nicht Gleichmacherei”

EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn (M.) erläutert in der Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments ihren Entwurf des neuen Europäischen Forschungsrahmenprogramms "Horizon 2020". Foto: © EU, 2011

Die EU-Kommission hat ein 80 Milliarden Euro schweres Paket von Maßnahmen zur Förderung von Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorgelegt. Im EU-Parlament entzündet sich am geplanten Kostenerstattungsmodell jedoch Kritik.

EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn erläuterte am Montag in der Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments die Brüsseler Pläne im Detail. Am Vorschlag der EU-Kommission für die künftige EU-Forschungsförderung ("Horizon 2020") entzündet sich allerdings Kritik.

"Vieles, was auf den ersten Blick nach Vereinfachung aussieht, bringt bei genauerem Hinsehen Probleme mit sich. Vereinfachung darf nicht zu Gleichmacherei werden", sagte der CDU-Europaabgeordnete Christian Ehler.
 
Die EU-Kommission hatte Ende November ein Paket von Maßnahmen zur Förderung von Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorgelegt (EurActiv.de vom 30. November 2011). Geoghegan-Quinn kündigte mit "Horizon 2020" ein 80 Milliarden Euro schweres Programm für Investitionen in Forschung und Innovation an.

"Im zukünftigen Rahmenprogramm soll es für alle Programme und alle Akteure nur noch ein einziges Set an Teilnahmeregeln geben. Auch bei der Kostenabrechnung hat man sich auf ein einziges Modell für sämtliche Forschungsprojekte festgelegt. Zu denken, man könnte der unterschiedlichen Forschungs- und Buchhaltungspraxis von Universitäten, Industrieunternehmen, außeruniversitären Forschungszentren oder Unternehmen mit nur einem Modell gerecht werden, ist absurd. Viele Forschungsakteure würde das vor mehr Probleme stellen als vorher", so Ehler.
 
"Insbesondere die vorgeschlagene Vollkostenerstattung, die zwar 100 Prozent der direkten Kosten erstattet, für indirekte Kosten wie Mieten aber nur eine Pauschale von 20 Prozent der Kosten vorsieht, bereitet vielen gemeinnützigen Forschungsakteuren Bauchschmerzen", sagte der CDU-Europaabgeordnete.

Für viele große Forschungsinstitute würde die neue Regelung Ehler zufolge einen Verlust von rund 20 Prozent der bisherigen Förderung bedeuten. Sollte sie dennoch in dieser Form beibehalten und umgesetzt werden, drohe ein Ausstieg vieler namhafter außeruniversitärer Forschungsinstitute aus der EU-Förderung. "Deren europäische Dachorganisation EARTO teilte bereits mit, dass einige Mitgliedsorganisationen ihre zukünftige Teilnahme am Rahmenprogramm angesichts dieser Benachteiligung ernsthaft überdenken. Hält man sich vor Augen, dass so prominente EARTO-Mitglieder wie die Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland zu den erfolgreichsten Teilnehmern am 7. Forschungsrahmenprogramm gehören, fragt man sich, wie die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen die EU steht, zukünftig ohne deren Beteiligung gelöst werden sollen", so Ehler.

dto

Links

Dokumente

EU-Kommission: Horizon 2020 Website 

EU-Kommission: Horizont 2020: Europäische Kommission schlägt vor, zur Ankurbelung von Wachstum und Beschäftigung 80 Mrd. EUR in Forschung und Innovation zu investieren (30. November 2011)

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