Britische Arzneimittelhersteller fürchten Brexit-Folgen

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Großbritanniens Arzneimittelhersteller und Biotech-Firmen sind alarmiert. Nach dem Brexit könnte es mit Zulassungen von Medikamenten kompliziert werden. [Yu Morita/Flickr]

Großbritanniens Arzneimittelhersteller und Biotech-Firmen sind alarmiert. Nach dem Brexit-Votum der Briten steht nicht nur der Umzug der EU-Arzneimittelbehörde EMA ins Haus, auch die zukünftige Zusammenarbeit mit den EU-Regulierungsbehörden droht in den Austrittsverhandlungen unterzugehen.

Um den Befürchtungen der britischen Arzneimittelhersteller zu begegnen, reagierten gestern Gesundheitsminister Jeremy Hunt und Greg Clark, Mays neuer Minister für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie, mit einem Brief an die  Financial Times. Darin stellten sie ihre Vorschläge für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien vor.

Beide Minister beteuerten, die Sicherheit und der Schutz von Patienten, der Erhalt von Großbritanniens Rolle als Zentrum für Forschung und Entwicklung sowie die Förderung der weltweiten Gesundheit, blieben auch nach dem Brexit eine der Prioritäten der Regierung.

„Unser übergeordnetes Ziel ist es, sicherzustellen, dass Patienten in Großbritannien und in der EU weiterhin in der Lage sind, auf die besten und innovativsten Medikamente zuzugreifen“, heißt es im Schreiben der Minister.

Vom Mitglied zum Partner

Die Arzneimittelhersteller, der nach dem Brexit verbleibenden EU-27, stehen zurzeit für rund ein Viertel aller britischen Wirtschaftsforschungsausgaben. Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU, seien nicht nur diese Ausgaben gefährdet, so britische Interessenverbände. Arzneimittelzulassungen könnten komplizierter werden und sich verzögern.

Deshalb drängen britische Arzneimittelhersteller ihre Regierung, eine Art Partnerschaftsabkommen mit der EMA zu schließen, das die gegenseitige Anerkennung von Arzneimittelzulassungen ermöglicht.

Nach Brexit soll EU-Arzneimittelbehörde nach Deutschland ziehen

Nach dem Brexit-Votum der Briten haben mehrere Länder Interesse an der in London ansässigen EU-Arzneimittelbehörde EMA angemeldet.

Bereits im April 2017 hatte EMA-Direktor, Guido Rasi, eine solche Vereinbarung als „theoretisch möglich“ bezeichnet. Allerdings läge es an den EU-Regierungen, ob ein derartiges Abkommen überhaupt auf den Brexit-Verhandlungstisch kommt. Immerhin will Großbritannien den europäischen  Binnenmarkt – der den freien Waren-, Kapital- und Dienstleistungsverkehr regelt – verlassen.

Arzneimittel-Forschung braucht Planungssicherheit

Doch nicht nur dem britischen Patienten könnte durch eine Abkehr vom EU-Regulierungsmechanismus lange Warteschlangen drohen. Bisher hat Großbritannien über 130 Arzneimittelprodukte allein für seltene Krankheiten in der EU lizenzieren lassen.

Viele der britischen Arzneimittelhersteller sehen die Zukunft der Branche eng mit dem Schicksal der EMA verknüpft. Die in London ansässige Agentur fungiert derzeit als One-Stop-Shop für die Genehmigung von Arzneimitteln und die Überwachung von der Sicherheit in der EU. Mit dem Brexit wird von Großbritannien erwartet, sämtliche Funktionen in der EMA niederzulegen.

„Ich habe 20 Projekte in der späten Phase der klinischen Entwicklung, Klarheit darüber, wie es weitergeht, ist wichtig“, so.Flemming Ornskov, Geschäftsführer von Shire Pharmaceuticals, gegenüber Reuters.

Keine Sorge, heißt es in Clarks und Hunts Schreiben, „wir werden auch weiterhin eng mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zusammenarbeiten.“

Obwohl der EU-Austritt der Briten kaum Auswirkungen auf globale Unternehmen wie GlaxoSmithKline und AstraZeneca haben wird, warnte gestern auch der britische Pharma-und Handelsverband vor dem Verlust zukünftiger Investitionen, mit Folgen für die Forschung und den Arbeitsmarkt des Landes. (mit rtr)