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08/12/2016

Was den Handel mit den USA so schwierig macht – und wie TTIP das ändern könnte

Finanzen und Wirtschaft

Was den Handel mit den USA so schwierig macht – und wie TTIP das ändern könnte

Carl Martin Welcker ist Geschäftsführender Gesellschafter der Alfred H. Schütte GmbH in Köln und Vizepräsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Carl Martin Welcker ist Geschäftsführender Gesellschafter der Alfred H. Schütte GmbH in Köln und Vizepräsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Für den Erfolg meines Unternehmens ist es wichtig, dass wir unsere Produkte auf der ganzen Welt verkaufen können. Mit 600 Mitarbeitern entwickelt und baut die Alfred H. Schütte GmbH aus Köln Werkzeugmaschinen, zum Beispiel für die Produktion von Zündkerzen. Sehr wahrscheinlich wurden die Zündkerzen in Ihrem Auto mit Hilfe von unseren Maschinen produziert.

Wir sind durchaus stolz darauf, wenn wir unsere Werkzeugmaschinen nach Italien, Südkorea oder Japan verkaufen. Große Schwierigkeiten haben wir hingegen mit Exporten in die USA.

2014 kamen bereits 13 Prozent aller Exporte aus der EU in die USA aus dem Maschinenbau. Trotzdem sind die Verkäufe dieser Industrie auf dem amerikanischen Markt längst nicht so stark, wie sie sein könnten. Neben bestehenden Zöllen liegt das vor allem an technischen Handelshemmnissen. Das Freihandelsabkommen TTIP würde daher vielen Unternehmen helfen, ihr Potenzial in den USA besser auszuschöpfen.

Derzeit unterscheiden sich die Anforderungen und Regularien für Maschinen in den USA mitunter deutlich von denen in Europa. Grundsätzlich sind diese Regeln wichtig, um ein hohes Maß an Qualität bei den Maschinen zu sichern, zum Beispiel bei der Sicherheit oder beim Umweltschutz.

Allerdings ist es oft unnötig oder sogar hinderlich, dass sich Anforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks unterscheiden. Denn für ein mittelgroßes Unternehmen wie uns wird der Handel mit einem komplexen Produkt wie einer Maschine dadurch extrem schwierig.

Um ein konkretes Beispiel zu nennen: nach europäischen Vorgaben ist der Neutralleiter in der elektrischen Schaltkreisen blau. In den USA muss das gleiche Kabel weiß oder hellgrau sein. Das bedeutet, dass wir unterschiedliche Kabel verwenden müssen, je nach dem, ob wir an einen Kunden in Europa oder den USA verkaufen.

Dadurch entsteht ein gewaltiger bürokratischer Aufwand, der den Verkauf in die USA so kompliziert macht. Anders als in Europa gibt es in Amerika keinen Binnenmarkt für Maschinen. Anforderungen an Produkte können von den Bundesstaaten formuliert werden und teils sogar von lokalen Behörden. Kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen haben kaum eine Chance, sich in diesem komplexen System zurecht zu finden.

TTIP ist die Chance, all das zu ändern. Europa und die USA können durch das Abkommen technische Regelwerke sinnvoll angleichen – zum Beispiel, indem Maschinen nicht mehr doppelt getestet werden müssen jeweils für die beiden Märkte. Geplant ist auch, dass Mittelständlern durch das Abkommen Informationen und Services bereitgestellt werden beim Handel in die Vereinigten Staaten.

Es ist klar, dass TTIP nicht alle technischen Handelsbarrieren beseitigen kann. Es würde aber schon helfen, wenn durch das Abkommen ein Rahmen für regulatorische Kooperation entsteht. Zudem hat die EU Kommission mehrfach betont, dass TTIP das Schutzniveau in Europa nicht absenken wird.

Nach wie vor ist TTIP in Europa umstritten, besonders in meiner Heimat Deutschland. Fakt ist, dass noch nie ein so umfassendes Freihandelsabkommen verhandelt wurde. Meiner Meinung nach sollten wir daher alle Bedenken ernst genommen, diskutiert und wenn möglich ausgeräumt werden.

Gleichzeitig sollten wir Europäer uns aber nicht nur auf Dinge konzentrieren, die wir auf keinen Fall in TTIP sehen möchten. Genauso wichtig ist, dass wir uns darüber klar werden, was das Abkommen aus unserer Sicht beinhalten soll.

Derzeit verhandeln die EU und die USA über ein eigenes Kapitel für den Maschinenbau in dem Abkommen. Wie eine aktuelle Studie im Auftrag des Europäischen Parlaments zeigt, können gerade in dieser Industrie die Bedingungen für den transatlantischen Handel wesentlich verbessert werden.

Eine engere Zusammenarbeit mit den Amerikanern ist in vielen Fällen schlicht sinnvoll und bietet neue Chancen für Europas Wirtschaft.

Das ist meiner Meinung nach der Kern von TTIP. Deshalb sollten wir uns diese Chance nicht entgehen lassen.

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