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23/08/2016

Vom David zum Goliath 2.0 – Europäische Startups können nicht mit dem Silicon Valley konkurrieren

Finanzen und Wirtschaft

Vom David zum Goliath 2.0 – Europäische Startups können nicht mit dem Silicon Valley konkurrieren

Startup-neuer-markt

Foto: Frank May, dpa

Wie politische Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene gestaltet werden müssen, damit europäische Startups mit dem Silicon Valley auf Augenhöhe konkurrieren können.

Florian Nöll ist Vorstandvorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. 

Die vom Bundesverband Deutsche Startups initiierte Studie European Startup Monitor (ESM) sorgt für Transparenz im europäischen Startup-Ökosystem und verdeutlicht die wachsende Bedeutung dieser jungen Unternehmen für die europäische Wirtschaft.

Zum ersten Mal liegen nun belastbare Daten vor, welche der Europäischen Kommission helfen sollen, zielgenaue Maßnahmen zu erstellen die die europäischen Startups nicht am Wachsen hindern, sondern beim Wachsen helfen. Insbesondere die Planungen zum Digital Single Market, der Kapitalmarktunion und der immer wieder geforderten Harmonisierung der Märkte wirken sich auf die europäische Startup-Landschaft aus.

Der ESM ist hier ein verlässliches Werkzeug um die Auswirkungen dieser Vorschriften auf die europäischen Startups besser einzuschätzen und somit einer größeren Beachtung schenken zu können. Verschiedene Fragestellungen standen dabei im Mittelpunkt: Wie sind die europäischen Startups finanziell aufgestellt und in welcher wirtschaftlichen Situation befinden sie sich? Wie alt sind die Gründer im Durchschnitt und wie hoch ist der Anteil der Frauen? Sind die europäischen Startups mit den politischen Rahmenbedingen zufrieden? Was sind die größten Herausforderungen vor denen die europäischen Startups stehen?

Insgesamt nahmen über 2.300 Startups am ESM teil, die zusammen mehr als 31.000 Arbeitnehmer aus den europäischen Ländern und Israel repräsentieren. Die meisten Startups werden nach Analyse des ESM im Team von zumeist 25 bis 34-jährigen Entrepreneuren gegründet, wovon 14,7 Prozent Frauen sind. 11,9 Prozent der Gründer kommen aus einem anderen Land als dem Land der Gründung, bei den Mitarbeitern sind es 31,6 Prozent. 90 Prozent der Gründer schätzen die momentane Lage ihres Startups positiv ein, 72% rechnen mit einer weiteren, positiven Entwicklung. Die drei größten Herausforderungen sind laut den Befragten Vertrieb, Kundenakquisition, die Kapitalaufbringung und die Produktentwicklung.

Der ESM hat herausgefunden, dass über die Hälfte der Startups bereits international agieren und 8 von 10 sich zukünftig noch weiter internationalisieren wollen. Das zeigt, dass Startups und die Rahmenbedingungen für deren Erfolg kein nationales Thema sein dürfen. Die europäischen Startups müssen, ebenso wie die politischen Rahmenbedingungen, die Startups direkt und indirekt betreffen, europäisch gedacht werden. Das langfristige Ziel muss sein, mit dem Silicon Valley in direkten Wettbewerb treten zu können. Dies kann nur gelingen wenn die Harmonisierung der (insbesondere digitalen) europäischen Märkte im Zuge der Realisierung des Vorschlages des Digital Single Markets zügig und möglichst weitreichend umgesetzt wird. Nur wenn Startups einen möglichst einfachen, schnellen und barrierefreien Zugang zum europäischen Markt als Ganzes haben, können sie schnell und ohne große Reibungsverluste wachsen. Sprachbarrieren lassen sich nicht per Gesetz abbauen, bürokratische Barrieren schon.

Die Investitionsvolumen sind hierfür von besonderer Relevanz. Momentan ist das Silicon Valley den europäischen Startups hier noch überlegen. Insbesondere ist dort der Markt für Wagniskapital in der Wachstumsphase, also bei große Summen, die in der Regel in der B oder C-Finanzierungsrunde eingesammelt werden, größer und risikobereiter als in Europa. Das hat zur Folge, dass amerikanischen Startups mehr Geld zur Verfügung gestellt werden kann, diese somit schneller und international wachsen können und die europäische Konkurrenz somit mit Nachteilen im Wettbewerb mit diesen Startups kämpfen muss.

Der ESM versucht die Bedürfnisse der Branche zu erkennen und die nötigen Handlungsfelder aufzuzeigen, die dabei helfen können, dass sich die europäischen Startups zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zum Silicon Valley entwickeln, zu identifizieren. Denn die Kreativität und das Potential steckt schon heute in den Köpfen der europäischen Gründer und Gründungsinteressierten, wird aber noch nicht so gefördert wie in der Bay Area. Wie genau diese Maßnahmen zur Förderung und zur Etablierung besserer Rahmenbedingungen aussehen könnten, dazu bietet der ESM ein geeignetes Analyse-Tool. Die darauf entstandene Initiative European Startup Network wird weiter am Austausch der europäischen Startup-Ökosysteme arbeiten, damit mehr gegründet werden, wachsen und erfolgreich sein können.