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27/09/2016

Weniger Wohnungsbaukredite: Sparkassen geben EU-Richtlinie Schuld

Finanzen und Wirtschaft

Weniger Wohnungsbaukredite: Sparkassen geben EU-Richtlinie Schuld

Wohnungsbaukredite der Sparkassen gehen zurück - der Verband macht eine EU-Richtlinie verantwortlich.

Foto: dpa

Die Sparkassen in Deutschland haben im ersten Halbjahr deutlich weniger Wohnungsbaukredite zugesagt. Verantwortlich dafür machen sie eine Richtlinie der EU.

Der Rückgang betrage rund 8,9 Prozent, sagte der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV), Michael Breuer, der „Rheinischen Post“. Probleme, einen Wohnungsbaukredit zu bekommen, haben demnach zunehmend ältere Menschen und junge Familien.

Grund ist laut Breuer die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie der EU, die im März als nationales Recht in Kraft getreten ist. Sie soll Verbraucher vor Überschuldung schützen. „Das ist im Grundsatz zu begrüßen“, sagte Breuer der Zeitung. „Doch wie die ersten Praxiserfahrungen zeigen, wurde offenbar bei der Umsetzung ins deutsche Recht zum Teil über das Ziel hinausgeschossen.“ Dies enge die Kreditvergabe stärker ein, als dies in anderen europäischen Ländern möglich ist. „Im Ergebnis sind insbesondere solche Kunden, die zwar Immobilienvermögen besitzen, aber über geringere laufende Einnahmen verfügen, benachteiligt.“

Die Bestimmungen der EU-Richtlinie im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Kreditwesengesetz verschärfen die Kreditwürdigkeitsprüfung: Wer voraussichtlich nicht genügend Geld zur Rückzahlung hat, dem dürfen Banken keinen Kredit geben. Die Kreditwürdigkeit eines Kunden darf demnach nicht allein darauf beruhen, dass jemand ein Grundstück besitzt, dessen Wert voraussichtlich zunimmt oder den Kredit übersteigt. Den Wert einer Immobilie im Besitz des Kreditnehmers darf die Bank nur zusätzlich berücksichtigen – nicht allein.

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie gilt in der ganzen EU und soll Entwicklungen wie in der Finanzkrise 2008 und 2009 verhindern helfen. In Ländern wie Spanien hatten sich viele Verbraucher so stark verschuldet, dass sie in der Krise wegen hoher Zinszahlungen und Tilgungen ihre selbst bewohnte Immobilie verloren.