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24/01/2017

Varoufakis tritt zurück: „Werde die Verachtung der Gläubiger mit Stolz tragen“

Finanzen und Wirtschaft

Varoufakis tritt zurück: „Werde die Verachtung der Gläubiger mit Stolz tragen“

"Minister no more"

Foto: dpa

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis tritt nach der deutlichen Ablehnung der europäischen Reformauflagen bei einem Referendum überraschend zurück. Ihm sei klargemacht worden, dass er bei den Euro-Finanzministern als unerwünschte Person gelte.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat nach der deutlichen Rückendeckung der Bürger für die griechische Regierung im Streit mit den Geldgebern seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

Damit will der Minister, der den Gläubigern in den letzten Tagen Terrorismus und Erpressung des griechischen Volkes vorgeworfen hatte, die Chancen von Regierungschef Alexis Tsipras auf eine Einigung mit den Euro-Partnern verbessern, wie er am Montag mitteilte.

Varoufakis erklärte, ihm sei klargemacht worden, dass er bei den Euro-Finanzministern als unerwünschte Person gelte. „Deshalb verlasse ich das Finanzministerium heute“, sagte er.

Varoufakis schrieb auf seinem Blog: „Ich halte es für meine Pflicht, Alexis Tsipras dabei zu helfen, sich das Kapital, so wie er es für angebracht hält, zunutze zu machen, das uns die Mehrheit der Griechen beim Referendum gestern zugestanden hat. Ich werde die Verachtung der Gläubiger mit Stolz tragen.“

Die Griechen hatten sich am Sonntag bei einen Referendum mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gegen den Sparkurs der Geldgeber aus Europa gewandt. Diese verlangen dem Land weitere Einschnitte im Gegenzug zu Milliardenhilfen ab. Damit stärkten die Bürger der Regierung von Ministerpräsident Tsipras, die zuvor den Wählern ein Nein empfohlen hatten, den Rücken.

Tsipras und seine Regierung wollen nun, wie sie ankündigten, umgehend neue Verhandlungen mit den Geldgebern aufnehmen, um schnell weitere Finanzhilfen und eine Reduzierung der Schuldenlast zu erreichen. Griechenland hat seit 2010 fast 240 Milliarden Euro an Hilfen von seinen europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds erhalten.

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