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02/12/2016

US-Wahl: Deutschlands Wirtschaft fürchtet Handelseinschränkungen

Finanzen und Wirtschaft

US-Wahl: Deutschlands Wirtschaft fürchtet Handelseinschränkungen

In der Frage nach den zukünftigen Handelsbeziehungen Deutschlands mit den USA sind etliche deutsche Unternehmen besorgt.

[Andrew Priest/Flickr]

Nach dem Sieg von Donald Trump fürchten Deutschlands Unternehmen eine Abschottung der US-Wirtschaft. Gegenüber Freihandel hatte sich Trump im Wahlkampf skeptisch geäußert.

Trump habe sich im Wahlkampf äußerst skeptisch gegenüber Freihandel geäußert – die Vereinigten Staaten müssten aber weiter auf offene Märkte setzen, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Für deutsche Unternehmen haben die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen demnach eine „immense Bedeutung“: Die USA sind der weltweit größte Absatzmarkt für Waren made in Germany.

„Die Verunsicherung in der Wirtschaft ist riesengroß“, erklärte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Nun müsse „die isolationistische Wahlkampfrhetorik“ beendet werden, forderte er. Entscheidend sei, „dass die USA ihr globales Engagement auf Basis bestehender Verträge, Institutionen und Bündnisse fortsetzen“.

Trump hatte im Wahlkampf die Freihandelsverträge seines Landes hart kritisiert und neue Zölle, Subventionen für die heimische Wirtschaft und einen abgeschotteten Binnenmarkt angekündigt. Seine Wahl sei ein „Black Tuesday“ für den Welthandel, erklärten die Familienunternehmer. Auch sie fürchten nun „enorme Unsicherheit“.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau betonte, die protektionistischen Vorschläge von Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland. Ihr Wert betrug im vergangenen Jahr demnach fast 17 Milliarden Euro; die USA waren damit der wichtigste Einzelmarkt für die Maschinenbauer. „Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine
entsprechenden Taten folgen lässt“, erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann mit Blick auf Trump.

Der Präsident der US-Handelskammer in Deutschland, Ford-Chef Bernhard Mattes, forderte den Wahlsieger auf, die USA „mit einer weltoffenen Perspektive zu stärken“. Protektionistische Maßnahmen seien in einer komplexen und globalisierten Welt keine Lösung, mahnte er. Die US-Wirtschaft habe Jahrzehnte von internationalem Handel und einem offenen Investitionsklima profitiert. Deutschland sei der wichtigste Handelspartner für die USA in Europa, und die USA seien der wichtigste ausländische Investitionsstandort für deutsche Unternehmen.

Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute äußerten sich skeptisch. Der Wahlsieg Trumps bedeute einen „Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Er hofft allerdings auf den Kongress: Trump könne die Handelspolitik nicht allein bestimmen. „Er wir bestehende Abkommen kaum kippen können.“

Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln betonte, es sei „völlig offen“, ob Trump umsetzen könne und werde, was er während des Wahlkampfs versprochen habe. Sollte er dies allerdings tun, dann seien die Folgen kaum einzuschätzen. Die Wiedereinführung von Handelsbarrieren werde Arbeitsplätze kosten und die Preise für Endverbraucher in die Höhe treiben.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Dennis Snower, warnte: „Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen“, wenn Trump seine Ankündigungen in praktische Politik umsetzen „will und kann“.