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03/12/2016

Think-Tank: „Griechenland verarmt“

Finanzen und Wirtschaft

Think-Tank: „Griechenland verarmt“

Foto: dpa

Die Troika-Politik habe die marktwirtschaftlichen Kräfte in Griechenland „außer Kraft gesetzt“, warnen Experten des Centrums für Europäische Politik (CEP). Trotz der scheinbar erfolgreichen Rückkehr an die Kapitalmärkte verfalle die Kreditfähigkeit des Landes weiterhin. Gleichzeitig lasse der Reformdruck nach, obwohl Griechenland zunehmend „verarme“.

Erstmals nach vier Jahren hat sich Griechenland am Donnerstag (10. April) wieder frisches Geld am Kapitalmarkt verschafft. Die Nachfrage und Euphorie unter den Anlegern war groß. Doch die Experten vom Centrum für Europäische Politik (CEP) warnen vor verfrühtem Optimismus: „Der realwirtschaftliche und finanzpolitische Zustand Griechenlands rechtfertigt es nicht, dass der griechische Staat […] eine Staatsanleihe mit einer Verzinsung von unter fünf Prozent platzieren konnte“, heißt es dazu in einer aktuellen Studie. Der Zustand des Landes sei nach wie vor „desolat“, der Verfall der Kreditfähigkeit Griechenlands habe sich 2013 ungebremst fortgesetzt.

Das CEP sieht keinerlei Anzeichen dafür, dass Griechenland in absehbarer Zeit wieder kreditfähig werden könnte: Die Investitionen gingen seit 2011 zurück und brachen alleine 2013 um 10,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts ein. Die Konsumquote liegt bereits seit 2002 bei über 100 Prozent des verfügbaren Einkommens, 2013 ist sie auf den Rekordwert von 119 Prozent gestiegen. Eine Wiedererlangung der Kreditfähigkeit sei nur möglich, so die Autoren der Studie, wenn die Konsumquote drastisch sinken würde. Doch könne davon momentan keine Rede sein.

Die fulminante Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt führen die Experten nicht auf erfolgreiche Reformen sondern auf die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre zurück. Diese hätten die „marktwirtschaftlichen Kräfte außer Kraft gesetzt“. Die hohe Nachfrage nach den frischen fünfjährigen Anleihen sei Ausdruck der Zuversicht der Anleger, dass die Politiker der Euro-Zone eine Insolvenz Griechenlands um jeden Preis verhindern werden.

Der Optimismus der Börsianer bedeute keineswegs, dass Griechenland über den Berg sei. Im Gegenteil: „Das Anlageverhalten der Investoren wird dazu führen, dass Reformdruck und Reformbereitschaft in Griechenland sinken, so dass die Gesundung des Landes in noch weitere Ferne rückt“, sind die Autoren überzeugt. „Griechenland verarmt zunehmend. Das Land entfernt sich immer weiter von der Möglichkeit, sich über Wirtschaftswachstum zu sanieren und die Krise dadurch hinter sich zu lassen“, fürchtet das CEP.

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