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09/12/2016

Studie: USA wachsen zu einer der größten Steueroasen weltweit heran

Finanzen und Wirtschaft

Studie: USA wachsen zu einer der größten Steueroasen weltweit heran

Eine Studie zeigt, dass die USA die größte Steueroase sind.

Foto: Dennis Skley/Flikr

Nicht nur exotische Staaten wie Panama sind ein sicherer Hafen für Steuersünder – sondern auch die USA, zeigt eine Studie der Grünen im EU-Parlament. Sie fordern, die EU solle das Land auf die Liste der Steueroasen setzen.

Die Panama Leaks haben es losgetreten: Mehr und mehr Länder auf der ganzen Welt sind bereit, globale Regeln zum Datenaustausch zu befolgen und so Steuerbetrug einzudämmen. Kürzlich hatte sich auch Panama dazu bereit erklärt. Doch es sind lange nicht nur bekannte Steueroasen wie die Seychellen, die Jungferninseln, Panama oder Liechtenstein, die im Kampf gegen Steuerschlupflöcher gefragt sind, zeigt nun eine Untersuchung der Grünen-Fraktion im EU-Parlament.

Während auch die Europäische Union entsprechende Maßnahmen voranbringt, weisen die USA demnach bei der Steuertransparenz und dem Austausch von Informationen  große Mängel auf und bleiben hinter internationalen Standards zurück. Die im Auftrag der Grünen/EFA-Fraktion durch den argentinischen Anwalt Andres Knobel von der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network durchgeführte Untersuchung verweist darauf, dass sich die Vereinigten Staaten zurzeit zur größten weltweiten Steueroase auswachsen.

Der Grund: Washington wehre sich gegen zwei internationale Initiativen, die Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung bekämpfen sollen. Sowohl den Vorstoß zur Identifizierung und Nennung der wirklichen Profiteure von Briefkastenfirmen und Unternehmen  als auch die Forderung nach einem automatischen Austausch von Bankdaten zwischen den internationalen Finanzämtern lehnen die USA ab.

„Die Studie zeigt, dass auch die weltweit größte Wirtschaftsmacht in die Kategorie Steueroase fällt“, meint Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion. Die USA profitierten zwar von Steuerinformationen ihrer Partner, würden aber selbst viel weniger Informationen herausgeben.

EU soll die USA auf die geplante schwarze Liste der Steueroasen setzen

Die Ursache dafür liegt der Studie zufolge vor allem im amerikanischen Recht zur Registrierung von Unternehmen. Dies unterscheidet sich zwischen den Bundesstaaten, wobei es 14 von 50 Bundesstaaten erlauben, eine Firma auch ohne Nennung des Eigentümers oder Geschäftsführers zu gründen. Besonders beliebt für solche Gründungen sind laut der Untersuchung Delaware, Nevada und Wyoming

„Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die USA zu einer der größten Steueroasen weltweit heranwachsen und die EU darf dem nicht tatenlos zusehen“, so Giegold. Die EU müsse die USA auf die geplante schwarze Liste der Steueroasen setzen und US-Banken, die Informationen über Steuersünder nicht herausgeben, mit einer Strafsteuer belegt werden, fordert er.

US-Präsident Barack Obama kämpft zwar seit einiger Zeit für schärfere Maßnahmen für Banken, kam damit bislang jedoch nicht durch den Kongress. Die von Obama envisierten Reformen aber würden ohnehin nicht ausreichen, konstatiert die aktuelle Studie. Die Standards der Financial Action Task Force, einem bei der OECD angesiedelten internationalen Gremium zur Geldwäschebekämpfung, würde die wichtigste Volkswirtschaft der Welt damit weiterhin nicht erreichen.