Studie: „Brexit“ könnte Großbritannien mehr als 300 Milliarden Euro kosten

Wann werden die Briten endlich den Artikel 50? [Foto: Anna & Michal/Flickr]

Der britische Premierminister David Cameron hat für 2017 ein EU-Referendum angekündigt. Doch ein Austritt Großbritanniens aus der EU könnte einer Studie zufolge auch für die Briten teuer werden. Und auch Deutschland stünden demnach hohe Kosten ins Haus.

Ein Abschied aus der Europäischen Union käme Großbritannien einer Studie zufolge teuer zu stehen.

Das Bruttoinlandsprodukt könne bis ins Jahr 2030 um bis zu 14 Prozent oder 313 Milliarden Euro niedriger ausfallen als bei einem EU-Verbleib, lautet das Fazit einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Ifo-Instituts. Für Deutschland und die restliche EU hingegen würden wirtschaftliche Verluste bei einem sogenannten „Brexit“ deutlich geringer ausfallen, heißt es darin. Die Einbußen für die Bundesrepublik würden sich bis 2030 im Falle des Verlustes aller britischen Handelsprivilegien – die sich aus der EU-Mitgliedschaft und den Freihandelsabkommen der EU ergeben – auf knapp 58 Milliarden Euro summieren.

„Schon allein ökonomisch wäre ein Brexit ein Verlustgeschäft für alle in Europa, allen voran für die Briten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. „Neben den wirtschaftlichen Folgen wäre dies aber vor allem auch ein herber Rückschlag für die europäische Integration sowie Europas Rolle in der Welt.“ Jede Weichenstellung durch die Parlamentswahl am 7. Mai hin zu einem EU-Austritt würde die Gemeinschaft schwächen. Premierminister David Cameron hat für den Falle seiner Wiederwahl ein Referendum über den EU-Verbleib in Aussicht gestellt.

„Ein Austritt aus der EU würde dabei vor allem die Kosten des Handels zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich erhöhen und die Handelsaktivitäten verringern“, heißt es in der Studie. Einzelne britische Branchen würden unterschiedlich hart getroffen. Die Chemieindustrie könnte dabei fast elf Prozent ihrer Wertschöpfung einbüßen, die Finanzdienstleister knapp fünf Prozent.

Neben den ökonomischen Wachstumsverlusten müssten sich die verbleibenden EU-Staaten auf zusätzliche Mehrausgaben für den EU-Haushalt einstellen. Durch den Ausfall der britischen Beiträge müsste Deutschland als größter Nettozahler jährlich zusätzlich 2,5 Milliarden Euro brutto beisteuern.