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30/05/2016

Streit um das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point

Finanzen und Wirtschaft

Streit um das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point

Hinkley Point

[EDF Energy]

Der Finanzchef des französischen Energiekonzerns EDF, Thomas Piquemal, ist offenbar wegen eines Streits um das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point in Großbritannien zurückgetreten.

Aus Unternehmenskreisen verlautete am Sonntagabend, Piquemal zweifle an der Machbarkeit des Projekts. Er habe daher in der vergangenen Woche seinen Rücktritt eingereicht. EDF wollte die Angaben nicht kommentieren.

EDF ist am geplanten Neubau des Atomkraftwerks Hinkley Point C im Südwesten Englands beteiligt. Es ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das erste AKW in Großbritannien, das neu gebaut werden soll. EDF soll zwei Drittel der Kosten finanzieren, ein weiteres Drittel der chinesische Atomkonzern CGN.

Eine endgültige Investitionsentscheidung des französischen Konzerns steht aber noch aus. Mitte Februar hatte EDF bei der Vorlage seiner Bilanz lediglich mitgeteilt, das Unternehmen hoffe, „sehr bald“ mit den Bauarbeiten beginnen zu können.
Die Kosten für die beiden geplanten Druckwasserreaktoren in Hinkley Point werden auf insgesamt 18 Milliarden Pfund (23,2 Milliarden Euro) veranschlagt.

Die Gewerkschaften bei EDF haben bereits eine Verschiebung gefordert. Sie fürchten, die Finanzierung des Projekts könnte EDF überfordern und den Konzern in seiner Existenz gefährden. EDF ist zu 84,5 Prozent im Staatsbesitz.

Noch am Donnerstag hatten Frankreich und Großbritannien versichert, das Projekt sei ein „Pfeiler“ ihrer Beziehungen. Das Projekt sei ein „Schlüsselelement“ der britischen Energiepolitik und biete die Garantie einer sicheren, CO2-freien Stromversorgung. Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte den Bau des Atomkraftwerks als „sehr gute Investition“ für EDF bezeichnet.

In der Europäischen Union sorgt das geplante Kraftwerk für Streit: Die EU-Kommission hatte im Oktober 2014 beschlossen, dass London die beiden Meiler mit Steuergeldern bezuschussen darf. So sicherte Großbritannien dem Betreiber unter anderem einen garantierten Stromabnahmepreis für die ersten 35 Jahre zu. Dagegen klagte im Sommer 2015 Österreich; mehrere deutsche Stadtwerke schlossen sich an. Die Subventionen sind ihrer Ansicht nach eine unrechtmäßige
Beihilfe.

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