Stahlriesen-Fusion in Aussicht

In der Stahlindustrie steht eine Mega-Fusion bevor. [Stefan Schmitz/Flickr]

Thyssenkrupp sieht trotz des Widerstands der Arbeitnehmervertreter gute Chancen für eine Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata Steel.

Die Verhandlungen seien auf der Zielgeraden, sagte ein Sprecher am Montag. Eine Einigung auf eine Absichtserklärung (MoU) für ein Joint Venture könne es noch in diesem Monat geben. Man erwarte dafür die Zustimmung der Gremien.

Die Arbeitnehmervertreter lehnen die Fusionspläne von Anfang an ab. Laut IG Metall droht bei Thyssenkrupp der Verlust von 15 Prozent der aktuell 27.000 Arbeitsplätze. Somit seien 4.050 Arbeitsplätze an allen Standorten vom Abbau bedroht. Die Stahl-Belegschaft habe mit 31-Stunden-Woche und Lohnverzicht bereits Opfer gebracht, um das Unternehmen zu stützen.

Da auch noch nicht von einer Prüfung der Bücher (Due Diligence) – dem wichtigsten Teil der Verhandlungen – die Rede war, dürften bis zum Abschluss der Fusion noch Monate vergehen. Auch die Kartellbehörden müssen zustimmen.

Eine für Dienstag geplante Aufsichtsratssitzung des Konzerns wurde auf das Wochenende 23./24. September verschoben. “Der Vorstand befindet sich aktuell in Gesprächen über strategische Optionen”, teilte der Konzern mit.

Die Arbeitnehmervertreter reagierten auf die Meldung aus dem Vorstand mit einer erneuten klaren Absage an die Fusionspläne. “Ich habe keine Anzeichen von unseren Vertretern im Aufsichtsrat, dass sie einer Fusion zustimmen werden. Wir werden auch keinem MoU zustimmen”, sagte der Chef der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Dieter Lieske, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Notfalls müsse Aufsichtsratschef Ulrich Lehner von seinem in Pattsituationen doppelten Stimmrecht Gebrauch machen.

Brexit gegen Stahl-Dumping in der EU?

Großbritannien habe strengere Handelsschutzinstrumente lange ausgebremst. Der Brexit mache es nun einfacher, die Rechtslage in der EU zu modernisieren, erklärt Axel Eggert, Generaldirektor des Europäischen Stahlverbandes Eurofer im Interview mit Euractiv Slowakei.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger verhandelt seit anderthalb Jahren über einen Zusammenschluss der Stahlgeschäfte. Zusammen würden sie den zweitgrößten europäischen Stahlkonzern nach ArcelorMittal schmieden. Das ist aus wettbewerbsrechtlicher Sicht bedenklich.

Hiesinger will mit der Fusion Überkapazitäten abbauen, die sich in der europäischen Stahlindustrie angehäuft haben. Zudem sieht sich die Stahlindustrie durch Billigkonkurrenz aus China unter zusätzlichem Druck.Dort seien die Umweltstandards niedriger, weswegen günstiger produziert werden könne. Diese Nachteile gleicht die EU allerdings zumindest teilweise durch Strafzölle auf Stahlimporte aus China wieder aus.

Bisher scheiterte eine Einigung zwischen den beiden Stahlunternehmen unter anderem an 15 Milliarden Euro schweren Pensionslasten von Tata in Großbritannien. Tata hatte hierfür aber kürzlich eine Einigung mit dem Pensionsfonds erzielt. Die Pensionslasten seien nun vom Unternehmen abgetrennt worden, teilte Tata am Montag mit. Die Aktien von Thyssenkrupp legten zeitweise um 3,4 Prozent zu.

Ein Scheitern der Fusion wäre eine Niederlage für Hiesinger. Der ehemalige Siemens-Manager hatte 2011 die Führung des Mischkonzerns übernommen und arbeitet schon lange an dem Deal mit Tata, der für seine Unternehmensstrategie von großer Bedeutung ist.