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09/12/2016

Spanische Bauern: „GAP sollte sich mehr auf Strukturreformen konzentrieren“

Finanzen und Wirtschaft

Spanische Bauern: „GAP sollte sich mehr auf Strukturreformen konzentrieren“

Die neue GAP soll Bauern einen effizienteren und dynamischeren Rechtsrahmen bieten, damit diese besser mit den Entwicklungen am Markt schritthalten können.

[Heather Paul/Flickr]

Landwirte in Spanien sehen in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU eine Chance, Bürokratie abzubauen und Umweltmaßnahmen effizienter zu gestalten. Für mehr Rentabilität brauche man jedoch Strukturreformen. EurActiv Spanien berichtet.

Die neue GAP bringe viele Herausforderungen mit sich, so die spanischen Landwirte. Sie muss Bauern einen effizienteren und dynamischeren  Rechtsrahmen bieten, damit diese besser mit den Entwicklungen am Markt schritthalten können. Gleichzeitig sollen aber auch Krisen angegangen werden, wie die des russischen Embargos oder das Ende der Milchquote.

Die neue Gemeinsame Agrarpolitik könne aber auch Preisschwankungen entgegenwirken und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Land- und Ernährungswirtschaft steigern, betonen sie.

Bürokratieabbau und Strukturreformen

Bürokratieabbau spielt im Rahmen der aktuellen GAP eine äußerst wichtige Rolle. Eine einfachere Verwaltung würde vielen Landwirten dabei helfen, den neuen, umweltfreundlichen „Greening“-Anforderungen zu entsprechen. Gleiches gilt für die aktualisierten Standards der Handelsabkommen zwischen der EU und Drittstaaten, die das EU-Produktionsmodell optimieren sollen. Mithilfe der neuen GAP könne man neue Märkte erschließen und die Landwirtschafts- beziehungsweise Lebensmittelbranche neu skalieren, meinen spanische Bauern.

Man müsse offen diskutieren, welche Marktinstrumente zur Branchenverwaltung die EU brauche, um Preisschwankungen zu begegnen, betont Gabriel Trenzado, Direktor für Internationale Beziehungen der Verbandes Cooperativas Agro-Alimentarias (Ernährungs- und Landwirtschaftliche Kooperativen). „Unserer Meinung nach sollte sich die GAP mehr auf Strukturreformen konzentrieren“, schlägt er vor. „Die Ernährungs- und Landwirtschaft muss besser dimensioniert werden, wenn sie sich wirtschaftlich rentieren soll.“

Hierfür brauche man bis 2020 stabile Rahmenbedingungen. Die Vereinfachung der GAP dürfe nur auf Verwaltungsebene stattfinden, nicht auf der politischen Ebene, meint Trenzado. „Der Bürokratieabbau darf jedoch nicht als Rechtfertigungsgrund dafür dienen, unausgereifte Reformen umzusetzen“, warnt er. Die EU müsse neue Märkte erschließen und einen „umfassenden Pakt für die Landwirtschaft“ schmieden. Sinnvoll wäre es in seinen Augen auch, Anreize für die Verdichtung und wirtschaftliche Strukturierung des Produktionssektors zu schaffen. Um dies zu erreichen, brauche man Kooperativen.

Die spanischen Kooperativen jedoch weisen große strukturelle Probleme auf. Wenn sie stark genug sind, haben sie durchaus hohe Chancen, auf dem Markt mit anderen zu konkurrieren. Kleinere haben da mehr Probleme. Zwei Herausforderungen stechen dabei besonders hervor, so Ignacio López, Direktor für internationale Beziehungen beim spanischen Verband der Junglandwirte (ASAJA). Zum einen müsse man sich nämlich darauf konzentrieren, den Produktionssektor rentabler zu machen und ihm entlang der Landwirtschafts- und Ernährungskette mehr Gewicht beizumessen. Gleichzeitig müsse man gegen Schwankungen auf dem Markt vorgehen.

EU noch nicht bereit

López zufolge zeigt das russische Embargo, wie sehr die EU von Marktfluktuationen beeinflusst wird. „Die GAP braucht Mechanismen zur Markt- und Gewinnregulierung, damit sie für unerwartete Krisen gewappnet ist“, betont er. „Die Märkte werden zunehmend liberalisiert und dereguliert. Das hatte starke Auswirkungen, auf welche die EU nicht schnell genug angemessen reagieren konnte.“

Die spanische Landwirtschaft hat sich bereits erfolgreich an die neuen Umweltanforderungen der GAP angepasst, so López. Beim Bürokratieabbau hingegen sei noch Luft nach oben. Hier dürfe es nur um Anpassungen gehen, warnt er, nicht um Reformen.

Marktregulierung und Subventionen

Die laufende und zukünftige GAP müsse ihren Schwerpunkt verstärkt auf die Marktregulierung legen, meint Miguel Blanco, Generalsekretär des Dachverbandes für Landwirtschafts- und Viehzuchtorganisationen (COAG). „Bei der GAP muss es wieder darum gehen, neue Kriterien zum Umweltschutz sowie zur Lebensmittelqualität und -sicherheit aufzustellen“, führt er an. COAG kritisiert, die aktuelle GAP bringe den bisher größten bürokratischen Aufwand mit sich. Daher sei es dringend notwendig, die Verwaltung von Subventionen und den notwendigen Voraussetzungen zu vereinfachen.

Überprüfung umweltfreundlicher Maßnahmen

Die Union der Kleinbauern und –züchter (Unión de Pequeños Agricultores y Ganaderos, UPA) ist der Meinung, die aktuellen Umweltkriterien müssten überarbeitet werden. Diese entsprächen nicht den Spanischen Gegebenheiten, was das Brachland oder die Diversifizierung angehe. „Es wäre sinnvoll, die Begrenzungen der bedingten Hilfsmaßnahmen zu überdenken, damit man Branchenkrisen entgegentreten kann“, so ein UPA-Sprecher. „[Die Maßnahmen zum Bürokratieabbau] sollten sicherstellen, dass die begrenzten Ressourcen der Landwirtschaftsbetriebe in der ersten Säule [der GAP] genutzt werden können. Somit stärkt man auch Maßnahmen, die mit gekoppelten Zahlungen zu tun haben. Auf diese Weise würden wir die besonders krisenanfälligen Sektoren effizient unterstützen.“