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29/09/2016

SEPA: Unterschiede im einheitlichen Euro-Zahlungsraum

Finanzen und Wirtschaft

SEPA: Unterschiede im einheitlichen Euro-Zahlungsraum

Die EU-Kommission überarbeitet derzeit die Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD). PSD II soll einen integrierten europäischen Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen schaffen, den Wettbewerb stärken und so eine Win-Win-Situation für Kunden und A

Neue EU-Vorschriften sollen dem Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) frischen Schub geben. Doch es gibt kulturelle und regulative Hürden auf dem Weg zu einem europaweit einheitlichen Online- und mobilen Zahlungsmarkt.

Die EU-Kommission wird noch in diesem Monat eine überarbeitete Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD II) vorlegen. Die Brüsseler Behörde will damit gleiche Rahmenbedingungen für etablierte Anbieter von Karten- Online- und mobilen Zahlungsdienstleistern schaffen und den Einstieg neuer Anbieter in diesen sich schnell entwickelnden Markt erleichtern. In vielen EU-Ländern ist der Zahlungsverkehr noch national geprägt und reglementiert. Die EU-Regeln zielen darauf ab, die verschiedenen Normen zu vereinheitlichen und fehlende Verknüpfungen zwischen den nationalen Zahlungsmärkten zu überbrücken. In dem Entwurf zur PSD II, den EurActiv einsehen konnte, werden die fehlende Normierung und Kompatibilität zwischen den verschiedenen Zahlungssystemen – Karten, Internet, mobile Endgeräte – und die nationalen Spezifika innerhalb der EU als eine zentrale Herausforderung auf dem Weg zum Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) genannt.

Bezahlen per Karte

Eine weitere Herausforderung ist nicht regulatorischer sondern kultureller Natur. Schließlich sind die Zahlungsgewohnheiten in den einzelnen Ländern stark national geprägt. So bezahlen die Briten viel öfter mit Karte als das in jedem anderen EU-Land der Fall ist. Die Umsätze mit Kredit- und Debitkarten werden sich in Großbritannien in den nächsten zehn Jahren sogar verdoppeln, sagt eine aktuelle Studie des Industrieverbandes UK Cards Association voraus. Im vorigen Jahr gab es 47 Millionen Debitkarten-Besitzer in Großbritannien. Das bedeutet, 9 von 10 volljährigen Briten hat inzwischen eine Debitkarte im Portemonnaie. Der Report geht davon aus, dass technologische Entwicklungen dazu beitragen werden, dass der Einsatz von Zahlungskarten weiter ansteigt. Dazu kommt, dass junge Leute von klein auf gewohnt sind, mit Karte zu bezahlen.

Bezahlen mit dem Smartphone

Der Mobile Payments Readiness Index (MPRI), den der Kartenanbieter MaserCard erstellt hat, zeigt wiederum den von Land zu Land sehr unterschiedlichen Umgang mit mobile Zahlungssystemen. Auch hier nimmt Großbritannien europaweit den Spitzenplatz ein. Die Studie identifiziert Großbritannien daher als mögliches Testgebiet für künftige mobile Zahlungssysteme. Der mobile Zahlungsmarkt Großbritanniens ähnele eher den Märkten in den USA, Kanada und Australien, als denen in Deutschland, Frankreich oder Italien, heißt es in der Index-Auswertungen.

Italienische Zurückhaltung

Im Gegensatz zur britischen Vorreiterrolle, ist die Bereitschaft zu mobilem Bezahlen in Italien „noch in einem Frühstadium, sowohl aus Sicht der Marktstruktur als auch aus Sicht der Verbraucher“,  heißt es in der Index-Auswertung. So verweist der Index auf regulatorische Hindernisse am Markt und auf die Einstellung der Italiener, lieber mit Bargeld zu bezahlen. Es werde großer Anstrengungen bei der Aufklärung der Konsumenten und beim Marketing bedürfen, um die Italiener auf die technologischen Möglichkeiten aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, diese auch zu nutzen, heißt es in der Index-Auswertung. Deutschland nimmt dem Index zufolge eine Mittelstellung zwischen dem britischen und dem italienischen Szenario ein. So wird die regulatorische Struktur als hervorragend bewertet und die finanziellen Dienstleistungen als erschwinglich und weit verbreitet beschrieben. Allerdings mangele es an Investitionen im Bereich Telekommunikation, auch sei die Bereitschaft zum mobilen Bezahlen bei den Deutschen „sehr gering“.

E-Commerce und M-Commerce

Eine andere Studie, der Europe B2C Ecommerce Report 2013, zeigt, dass moderne Zahlungsarten – Karten, mobil, online – in den großen europäischen Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Frankreich fest etabliert sind. Das größte Wachstumspotenzial für diese Zahlungsarten findet sich aber in Süd- und Osteuropa. Der Verband Ecommerce Europe, in dem über 4.000 Unternehmen vertreten sind, sagt zudem voraus, dass der elektronische Handel immer öfter über Smartphones und Tablets abgewickelten wird und weniger über „normale“ Computer. Ecommerce Europe-Direktor Wijnand Jongen rechnet damit, dass E-Commerce in fünf bis zehn Jahren „in alle Bereiche des Lebens vorgerungen“ sein wird. „Die Konsumenten werden sich dem anpassen und diese Anpassung wird exponentiell erfolgen“, so Jongen. Die neuen technologischen Entwicklungen, begleitet von neuen E-Commerce-Angeboten, werden eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung des sich abzeichnenden Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA spielen. EurActiv

Links

EurActiv Brüssel: Cultural differences challenge European single payments area (10. Juli 2013) Dokumente Kommission: Grünbuch: Ein integrierter europäischer Markt für Karten-, Internet- und mobile Zahlungen (11. Januar 2012) Kommission: Frequently Asked Questions (11 January 2012) Kommission: Feedback statement from the consultation (27 June 2012) Kommission: Replies to the consultation (27 June 2012) Kommission: Antitrust: Commission sends Statement of Objections to Visa Kommission: Press release on MasterCard’s decision to cut MIFs Kommission: Single Euro Payments Area (SEPA) Kommission: SEPA-Migration SpecialReport: Neue Richtlinie über Zahlungsdienste PSD II: Neue EU-Vorschläge zu Zahlungsdiensten (8. Juli 2013) PSD II: Verbraucherschützer uneins zu reduzierten MIFs (9. Juli 2013) Weiteres zum Thema auf EurActiv.de Kreditkarten: „Neue EU-Regeln könnten diskriminieren“ (19. Juni 2013) MasterCard in letzter Instanz gegen EU-Gebührenverbot (6. Juni 2013) Kreditkartengebühren sinken: Visa gibt im Kartellstreit nach (14. Mai 2013) LinkDossier: PSD und SEPA – Die neue EU-Richtlinie über Zahlungsdienste