Schuldenkrise: Griechischer Minister wirft Schäuble Aufruf zum Grexit vor

Wolfgang Schäuble verlässt sein Amt. Wer folgt? [International Monetary Fund/Flickr]

Athens Arbeitsminister Skourletis sieht Griechenland durch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gedemütigt und zum Grexit angetrieben. Deutschland habe nach dem Weltkrieg eine Chance erhalten, die seinem Land gerade aber verwehrt werde, sagte Skourletis.

Der griechisches Arbeitsminister Panos Skourletis betrachtet Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum sogenannten Grexit als Aufruf zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

In einem am Donnerstag auf der Website des ZDF-Magazins „Frontal 21“ veröffentlichten Interview sagte der Politiker der linksgerichteten Syriza-Regierung, Schäuble stütze mit seinen Aussagen all jene, die ein „kleineres, gehorsameres und deutschlandzentrierteres Europa“ wünschten. Ein solches hätte jedoch nur noch wenig mit europäischen Werten wie Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und Demokratie gemeinsam, sagte Skourletis.

Zugleich lobte der Grieche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als „weitsichtige Politikerin“. Merkel habe das europäische Gemeinwohl im Blick und wolle nicht, dass es während ihrer Amtszeit zu einer Krise und „folgenschweren Verwicklungen mit Griechenland“ komme, befand Skourletis. Athens Gläubiger setzten jedoch bei den Verhandlungen darauf, Griechenland zu schwächen und in „völlige finanzielle Abhängigkeit“ zu drängen.

Zudem wies Skourletis Schäubles Einschätzung zurück, Griechenland habe keine Vorschläge zur Lösung des Schuldenstreits gemacht. Ebenso wie Ministerpräsident Alexis Tsipras befürwortete Skourletis einen Schuldenschnitt für Griechenland. Eine „nachhaltige Lösung“ sei nötig, um das Land aus der Rezession zu bringen. Der Arbeitsminister erinnerte daran, dass auch Deutschland 1953 von den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges ein Schuldenerlass eingeräumt worden sei. Deutschland habe damals als Kriegsverlierer Solidarität erfahren, die Griechenland heute verweigert werde. Stattdessen werde sein Land „gedemütigt“. Er frage sich, ob „bestimmte Akteure“ nicht den Sturz einer demokratisch gewählten Regierung wünschten, sagte Skourletis.