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30/09/2016

Saudi-Arabien: Uber statt Erdöl

Finanzen und Wirtschaft

Saudi-Arabien: Uber statt Erdöl

Saudi-Arabien ist sich bewusst, dass die Erdölproduktion kein zukunftsträchtiges Geschäft ist.

Der saudi-arabische Staatsfonds will 3,5 Milliarden Dollar in Uber investieren, um weniger abhängig vom Erdöl zu sein. EurActiv-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Mohammad bin Salman, der dreißigjährige Kronprinz Saudi-Arabiens, hat eine Mission: Er soll das Wirtschaftsmodell des Königreichs im Nahen Osten reformieren. Die meisten Staatseinnahmen stammen derzeit aus der Ölförderung. Trotz der weltweit fallenden Preise ist die Rohölproduktion noch immer ein erträgliches Geschäft. Riad weiß jedoch, dass dies nicht für immer der Fall sein wird. „Wir durchbrechen alte Denkmuster. Angesichts der zukunftsträchtigen Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien, ist sich Saudi-Arabien bewusst, dass es nicht ewig auf die Erdölproduktion setzen kann“, erklärt Energieexperte Jean-Pierre Favenec, ehemaliger Direktor des Zentrums für Management und Wirtschaft (CEG) der IFP School.

Ende April stellte König Salmans ältester Sohn seine Vision 2030 vor – ein umfassendes Programm, das öffentliche Investitionen mobilisieren und Schritt für Schritt die Erdölabhängigkeit verringern soll. Hierfür stellte der Prinz eine Arbeitsgruppe zusammen, deren Mitglieder angeblich „aufgrund ihrer Leistungen und nicht ihrer politischen Gesinnung“ ausgewählt wurden, so die Financial Times.

Yasir Al Rumayyan, Investmentbanker und ehemaliger Direktor von Saudi Fransi Capital, ist einer der Köpfe hinter dem Projekt, das im Februar 2015 von Mohammad bin Salman in Auftrag gegeben wurde. Der 2008 geschaffene Staatsfonds war ursprünglich dafür gedacht, die nationale Wirtschaft anzukurbeln. Nun jedoch richtet er seinen Blick über den landeseigenen Tellerrand hinaus. Ziel ist es, den Fond in den nächsten 20 Jahren von bisher 80 Milliarden Dollar auf zwei Billionen Dollar aufzurüsten, sein Portfolio zu erweitern und höhere Renditen in Wachstumsbranchen einzufahren. Dabei soll das Land nach und nach unabhängiger vom Erdöl werden.

Durch die Investitionen in den amerikanischen Mitfahrdienst Uber, erhält Saudi-Arabien einen fünfprozentigen Anteil am Unternehmen. Dieser Schritt gilt als erster großer Erfolg der Diversifizierungsbemühungen des Königreiches. Al Rumayyan spricht von einer „wichtigen strategischen Investition“. Für Uber, welches nun auf etwa 62,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist es die größte Finanzspritze in der Unternehmensgeschichte. Al Rumayyan soll nun zum Vorstansmitglied ernannt werden.

Saudi-Arabien bietet dem Mitfahrdienstleister einen profitablen Markt. Die Uber-App hat das Land im Sturm erobert, wie eine Studie von Courrier International vom Juli 2015 zeigt. Das arabische Königreich begegnet dem Unternehmen mit offenen Armen– ganz im Gegensatz zur EU, deren Mitgliedsstaaten teilweise heftigen Wiederstand gegen die Sharing Economy leisten.

La Tribune

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