Protest gegen Thyssen-Fusion

Bei Fusion von Thyssenkrupp und Tata Steel entstünde ein neuer Stahlriese. [Archangel12/ Flickr]

Ausgerechnet das ungeliebte europäische Stahlgeschäft hat Thyssenkrupp im vergangenen Geschäftsjahr maßgeblich zu einem höheren operativen Gewinn verholfen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei 2016/17 (per Ende September) um ein knappes Drittel auf 1,9 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 1,73 Milliarden Euro gerechnet.

Wegen hoher Abschreibungen beim Verkauf des Stahlwerks in Brasilien fuhr Thyssenkrupp aber unter dem Strich dennoch einen Verlust von 649 Millionen Euro ein. Die Aktionäre sollen jedoch weiterhin eine Dividende von 15 Cent je Papier erhalten.

Thyssenkrupp werde seine Industriegütergeschäfte weiter vorantreiben, kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. “So werden wir in Zukunft stabilere Ergebnisse erwirtschaften und weiter profitabel wachsen.”

EU-Parlament beschließt neue Anti-Dumpingregeln

Das EU-Parlament hat am gestrigen Mittwoch Maßnahmen beschlossen um Billigimporte zu erschweren. Adressat sind vor allem chinesische Stahlproduzenten.

Das konjunkturanfällige Stahlgeschäft will der Manager in ein Joint Venture mit Tata Steel einbringen, wogegen die Arbeitnehmer seit Monaten Sturm laufen, da Standortschließungen und Entlassungen befürchtet werden. Die Gewerkschaft IG Metall fordert klare Garantien. Sie erwartet im Laufe des Tages Tausende Stahlarbeiter auf einer Kundgebung im rheinland-pfälzischen Andernach, wo der Konzern ein Weißblechwerk betreibt, um dessen Zukunft sich der Betriebsrat sorgt. Die Fusionsverhandlungen laufen bisher eher schleppend. Käme die Fusion zustande, entstünde die zweitgrößte Stahlschmiede Europas.

Hiesinger betont, Thyssenkrupp habe wichtige Weichen auf dem Weg zu einem starken Industriegeschäft gestellt. Für 2017/18 stellte er einen operativen Gewinn von 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro in Aussicht und einen deutlich positiven Überschuss. Im fortgeführten Geschäft, ohne das verlustreiche Stahlgeschäft in Amerika, waren es zuletzt 1,7 Milliarden Euro.