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09/12/2016

OECD: Brexit würde Haushaltseinkommen der Briten deutlich senken

Finanzen und Wirtschaft

OECD: Brexit würde Haushaltseinkommen der Briten deutlich senken

Der Brexit wird den EU-Haushalt folglich belasten.

[Garry Knight/Flickr], CC BY 2.0

Ein Brexit würde jeden Briten der OECD zufolge um ein Monatsgehalt ärmer machen. Der EU-Austritt hätte damit Auswirkungen wie eine Steuererhöhung.

Die Brexit-Gegner haben erneut prominente Schützenhilfe bekommen: Knapp zwei Monate vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt des Landes hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den Briten vorgerechnet, was jeden einzelnen von ihnen ein Brexit kosten würde. Demnach könnten die Haushaltseinkommen um ein Monatsgehalt sinken: im günstigsten Fall über die kommenden vier Jahre um bis zu 2200 Pfund (2800 Euro).

Die Auswirkungen wären denen einer massive Steuererhöhung vergleichbar, argumentiert die OECD. Ein Brexit wäre in gewisser Weise wie „eine Steuer auf das Bruttoinlandsprodukt“ (BIP). Nach den Berechnungen würden das BIP bis 2020 um 3,3 Prozentpunkte sinken, wenn Großbritannien der EU „Goodbye“ sagen würde. Bis 2030 könnte sich der Verlust sogar auf 5,1 Prozentpunkte auswachsen.

Auf die Haushaltseinkommen runtergerechnet ergäben sich Verluste für jeden einzelnen Privathaushalt von 2200 Pfund bis 2020 und von 3200 Pfund bis 2030. Der OECD-Bericht nennt als Ursachen insbesondere die Ungewissheit der wirtschaftlichen Entwicklung nach einem Austritt, höhere Zölle, eine Abnahme der Wirtschaftsmigration und Auswirkungen auf die Währung Pfund.

„Das beste Ergebnis nach einem Brexit ist immer noch schlechter als nach einem Verbleib in der EU“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. Die „schlechtesten Ergebnisse“ seien dagegen „wirklich schlecht“. Gurria hatte vor der Veröffentlichung des Berichts in der BBC gesagt, ein Brexit sei „wie eine Steuer“.

Die Frage stelle sich: „Warum so viel Reichtum, Wohlstand, Zeit, Energie und Talent darauf verwenden, den Schaden einer falschen Entscheidung zu beheben, wenn man es einfach vermeiden kann, eine solche Entscheidung zu treffen?“, sagte Gurria.

Mitte April hatte bereits der britische Finanzminister George Osborne eindringlich vor einem Brexit gewarnt. In diesem Fall wäre Großbritannien „auf Dauer ärmer“, schrieb Osborne in einem Zeitungsbeitrag.

Den Berechnungen seines Ministeriums zufolge würde ein Austritt jeden Haushalt auf der Insel jährlich 4300 Pfund (5400 Euro) kosten. Das Bruttoinlandsprodukt läge 2030 um sechs Prozent niedriger als im Falle eines Verbleibs in der EU, hieß es in einer Studie.

Studien im Regierungsauftrag stets pro-europäisch?

„Brexit“-Befürworter kritisierten die Ergebnisse. Die OECD-Prognose sei „fadenscheinig“. Und Ergebnisse von Studien im Regierungsauftrag würden stets pro-europäisch ausfallen, hieß es nach der Veröffentlichung des Osborne-Papiers.

Gurria sei „Teil einer weltweiten Bürokratie“, deren hohe Kosten von den Steuerzahlern getragen würden, sagte der Sprecher der Vote Leave Kampagne für den Austritt. Die OECD habe seinerzeit Großbritannien den Eintritt in den Euro empfohlen – „warum sollten wir also auf ihre Unheil verkündenden Vorhersagen über einen EU-Austritt hören?“

Die Briten sind am 23. Juni aufgerufen, sich für oder gegen einen Verbleib ihres Landes in der EU auszusprechen. Bislang zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern ab