Nach VW-Skandal: Kommission fordert EU-weite Abgas-Prüfungen

Die EU-Kommission will Autos EU-weit auf manipulierte Abgas-Werte prüfen. [michael neukirchen/Flickr]

Wie viele Fahrzeuge auf Europas Straßen sind mit manipulierter Software ausgestattet? Die EU-Kommission will das künftig wissen, um Betrug wie bei VW zu vermeiden. Frankreich und Großbritannien kündigen bereits Tests an.

Als Reaktion auf den Abgasskandal bei Volkswagen hat die EU-Kommission alle Mitgliedstaaten aufgefordert, zu untersuchen, ob andere in Europa verkaufte Fahrzeuge die europäischen Abgasnormen einhalten. „Unsere Botschaft ist klar: Nulltoleranz gegenüber Betrug“, erklärte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska am Donnerstag.

Zuvor hatte bereits die französische Regierung stichprobenartige Tests von Fahrzeugen angekündigt. Überprüft werden sollen nicht nur Autos französischer Marken, sondern Fahrzeuge aller auf dem französischen Markt vertretenen Hersteller. Auch Großbritannien kündigte gemeinsame Tests mit den Autoherstellen an, um sicherzugehen, dass keine Motoren manipuliert wurden.

Lobbyarbeit für Schlupflöcher bei Tests

Aus den drei grössten EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannnien waren nach Bekanntwerden des VW-Skandals Forderungen laut geworden, die Prüfungen wegen manipulierter Emissionstests auch auf Europa auszuweiten. Allering berichtete nun der englische „Guardian“ nach Einsicht in Dokumente, dass diese drei Staaten offenbar eine Verschärfung der Tests zur Überprüfung des CO2-Ausstosses verhindern wollten.

Der heutige Emissionstest namens Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) gilt als überholt und soll in der EU durch einen Test mit dem Namen Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures (WLTP) ersetzt werden. Dieser soll ein realistischeres Bild der Verbrauchswerte vermitteln. Laut Experten dürfte der durchschnittliche Verbrauch mit dem neuen Test um bis zu 25 Prozent höher ausfallen.

Einige der Schlupflöcher NEFZ, die es ermöglichen, Werte wie den CO2-Ausstoss zu beschönigen, wünschten sich dem „Guardian“ zufolge Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich aber auch im neuen Test. Vor vier Monaten hätten sie laut bericht bei der EU-Kommission dafür lobbyiert. 

VW steckt in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte, seit bekannt wurde, dass bei Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert worden waren. Eine entsprechende Software ist laut den Konzern weltweit in elf Millionen Autos eingebaut. Seit dem Wochenende ist bekannt, dass VW in den USA mithilfe einer besonderen Software die Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert hat. Wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag mitteilte, weisen auch in Europa VW-Dieselmotoren manipulierte Abgaswerte auf.

Der VW-Konzern hat im ZDF unterdessen eingestanden, dass es bei allen seinen Marken Dieselfahrzeuge mit der manipulierten Software gebe, die die Abgaswerte von Dieselmotoren bei Prüfzyklen ändern kann. „Das betrifft sowohl Fahrzeuge von Volkswagen, als auch von Audi, Seat, Škoda, und die Nutzfahrzeugflotte“, sagte ein VW-Sprecher dem ZDF.