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26/07/2016

Nach Tsipras-Wahlsieg: Ökonomen erwarten keine neue Grexit-Debatte

Finanzen und Wirtschaft

Nach Tsipras-Wahlsieg: Ökonomen erwarten keine neue Grexit-Debatte

Bleibt der Grexit vom Tisch?

[Titanas/Flickr]

Nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras erwarten Experten kein Wiederaufflammen der Debatte um ein Euro-Aus Griechenlands.

“Ein Grexit bleibt vom Tisch”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Montag. “Egal wer regiert, der Handlungsspielraum ist gering”, sagte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. “Für die Finanzmärkte außerhalb Griechenlands ist das Ganze damit eher langweilig.”

In Brüssel dürfte man angesichts des Wahlausgangs aufgeatmet haben, vermutet der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel: “Die EU setzt mittlerweile lieber Reformen mit Tsipras um als gegen Tsipras.”

Tsipras hat lange mit den Vertretern der Euro-Zone um die Auflagen für ein drittes Hilfsprogramm gerungen und sich von der Wahl Rückenwind erhofft. Der als Spargegner angetretene Politiker hatte erst unter dem Druck einer Staatspleite Reform-Zusagen gemacht, um Hilfen von 86 Milliarden Euro zu erhalten. Danach war er zurückgetreten – auch, um Gegner in den eigenen Reihen loszuwerden.

“Die neue griechische Regierung wird die Reformversprechen auf dem Papier erfüllen, aber wie in den Vorjahren in der Praxis häufig nicht umsetzen”, erwartet Krämer. Konflikte mit den Geldgebern seien damit programmiert. Theoretisch bestehe die Möglichkeit, dass die Griechenland-Krise wieder hochkoche.

Die Langmut der Geldgeber scheine aber kaum Grenzen zu kennen. “Das wissen die Finanzmärkte und dürften sich durch die anstehenden Scharmützel Griechenlands mit der Staatengemeinschaft nicht beeindrucken lassen”, sagte der Commerzbank-Chefvolkswirt.

Das mit den Geldgebern vereinbarte Reformprogramm müsse nun umgesetzt werden, sagte sein Kollege Sandte: “Zu den kniffligsten Fragen gehören die Rekapitalisierung der Banken und eine Schuldenerleichterung, zu der es aber nur kommen wird, wenn Griechenland bei den Reformen voran kommt.”