Mehrheit in der EZB offenbar für Verringerung der Anleihenkäufe

Die EZB in Frankfurt [Torsten Sebelka/Flickr]

Innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich Insidern zufolge eine breite Mehrheit für eine Verringerung der expansiven Konjunkturhilfen ab.

Beim nächsten EZB-Treffen am 26. Oktober würden die Ratsmitglieder wohl dafür stimmen, das Anleihen-Kaufprogramm (QE) zwar zu verlängern, aber mit einem geringerem Kaufvolumen, sagten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Es könnte nach Einschätzung der Insider auf eine Verlängerung der Käufe um neun Monate hinauslaufen. Die EZB wollte zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Anleger deckten sich nach den Informationen mit Staatsanleihen der Euro-Zonen-Länder ein. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober und notierte bei 0,415 Prozent. Nach derzeitigem Stand läuft das inzwischen auf 2,3 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm, mit dem die Währungshüter die Kreditvergabe ankurbeln und für mehr Inflation sorgen wollen, zum Jahresende aus.

Ratsmitglieder wollen das Programm auslaufen lassen

Den Insidern zufolge herrscht noch Unklarheit darüber, ob die EZB bei einer Verlängerung einen klaren Endpunkt signalisieren oder ob sie dies eher offen lassen soll. Das sei wahrscheinlich die größte Debatte, sagte eine der mit der Situation vertrauten Personen. Lasse die EZB offen, wann die Käufe enden, besäße sie ausreichend Flexibilität, um sie, wenn nötig, erneut zu verlängern.

Ratsmitglieder, die eine straffere Geldpolitik befürworten, sprachen sich den Quellen zufolge für ein klares Signal aus, dass die EZB das Programm herunterfahren und und beenden soll. “Ich kann einen Kompromiss erkennen, dass wir es wie es jetzt ist belassen, also mit einem Enddatum, das es uns ermöglicht zu verlängern, wenn erforderlich.” In ihrem geldpolitischen Ausblick hielt die EZB bislang stets an der Option fest, im Notfall ihr Anleihen-Kaufprogramm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer auszuweiten.

Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken erwerben seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um die Konjunktur zu stützen und für eine höhere Inflation zu sorgen. Derzeit werden monatlich Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro gekauft. Laut den Insidern steht das exakte Volumen der künftigen Käufe noch nicht fest. Es gehe um Monatsvolumina zwischen 25 und 40 Milliarden Euro. Es gebe aber eine breite Übereinstimmung, dass die Käufe deutlich verringert werden sollen.