EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

25/08/2016

Mehr als 76 Prozent der Polen wollen den Euro nicht

Finanzen und Wirtschaft

Mehr als 76 Prozent der Polen wollen den Euro nicht

Nach Plänen der Bundesregierung soll Deutschland 2020 erstmals wieder beide Vorgaben des EU-Vertrags von Maastricht erfüllen

Mehr als drei Viertel der Polen lehnen den Euro ab. Das Umfrageergebnis unterstreicht die geringen Aussichten auf einen Beitritt der größten ostmitteleuropäischen Volkswirtschaft in die Währungsunion.

Bronis?aw Komorowski gehört zur Minderheit in Polen – zumindest wenn es um den Euro geht. Der polnische Präsident will, dass sein Land der Währungsunion beitritt. Am Montag erklärte er, Polen solle nach den nationalen Parlamentswahlen 2015 über eine Euro-Übernahme entscheiden.

Einer vom Marktforschungsunternehmen GfK durchgeführte Studie zufolge sind 38 Prozent der Polen jedoch “entschieden” gegen die Übernahme der Gemeinschaftswährung, während weitere 38 Prozent “eher dagegen” sind.

Nur drei Prozent der Befragten sprachen sich “entschieden” für einen Beitritt aus. Weitere 15 Prozent sind eher für einen Beitritt, so die Umfrage.

Die Ablehnung des Euro ziehe sich durch alle Gesellschaftsschichten und politischen Zugehörigkeiten unter der repräsentativen Gruppe der 1.020 Befragten, erklärte die GfK.

“In den meisten Alters-, Bildungs-, Beschäftigungs-, und Städtegruppen überwiegen die Gegner einer Übernahme des Euro und ihr Anteil liegt zwischen 70 und 80 Prozent”, so die GfK.

Polen ist nach den Bestimmungen seines EU-Beitritts von 2004 dazu verpflichtet, die Einheitswährung rechtzeitig zu übernehmen. Das erfordert eine Verfassungsänderung, denn in der derzeitigen Verfassung ist der Z?oty als polnische Währung verankert.

Die Mitte-rechts-Regierung der Ministerpräsidentin Ewa Kopacz verfügt nicht über die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit. Darüberhinaus könnte es der Umfrage zufolge für jede Partei, die einen Euro-Beitritt befürwortet, schwierig werden, die Gunst der Wähler zu bekommen.

Anfang Oktober diskutierte Kopacz die Bedingungen für einen Beitritt des Landes in die Euro-Zone. Polen müsse die technischen Kriterien für die Übernahme des Euro erfüllen, so Koacz. Gleichzeitig müsse die Euro-Zone, die nach der anhaltenden Schuldenkrise mit geringem Wachstum und Inflation zu kämpfen hat, zeigen, dass sie stabil ist.