Landwirtschaft: Kritiker nennen Niedergang deutscher Bauern hausgemacht

laut dem Deutschen Bauernverband geht es deutschen Landwirten immer schlechter.

Ceta wird den Druck auf deutsche Landwirte erhöhen, manche befürchten den Kollaps kleinerer Betriebe. [Foto: Matthias Ripp/Flickr]

Der Deutsche Bauernverband klagt, die Lage der konventionellen Landwirte habe sich „drastisch verschlechtert“ – und verortet die Ursachen vornehmlich außerhalb Deutschlands und der EU. Grüne und Umweltorganisationen kritisieren die Hilferufe hingegen als „heuchlerisch“.

Die deutschen Landwirte sind arm wie lange nicht mehr. Laut dem nun vorgestellten Situationsbericht 2015 des Deutsche Bauernverbandes (DBV) sanken die Erträge im Wirtschaftsjahr 2014/15 pro Betrieb um fast 35 Prozent. „Drastisch verschlechtert“ habe sich die Situation fast aller konventionellen Landwirte, so der Verband, der rund 280.000 landwirtschaftliche Betriebe vertritt.

Die wichtigsten Gründe sieht der DBV in der schwachen Nachfrage in asiatischen Ländern und auch im russischen Einfuhrverbot infolge der Ukraine-Krise. Egal ob Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch – die Bauern wurden ihre Lebensmittel schlecht los, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied.

Im Ackerbau gingen die Betriebsergebnisse um gut 22 Prozent zurück, die Futtermittelerzeugung für die Milchwirtschaft brachte 44 Prozent weniger ein als im Vorjahr. Am härtesten traf es die Obstbauern, deren Einnahmen um 50 Prozent sanken. Eine baldige Besserung der Ertragslage sei Rukwied zufolge nicht absehbar: „Im ersten Halbjahr 2016 wird es keine Erholung geben.“

Eine große Bedrohung sieht der Verband aber auch im Verhalten der Handelsketten beim Einkauf von Agrarprodukten. Diese kämen immer mehr „wettbewerbswidrigen Preisabsprachen“ gleich, kritisierte Rukwied.

Hausgemachte Probleme

Die Umweltorganisation Greenpeace betrachtet den Niedergang als selbst verschuldet und bezeichnet „das Gejammer“ als „heuchlerisch“: Greenpeace-Experte Martin Hofstetter wirft dem DVB vor, zum Abbau von Mengen- und Preisregulierungen wie bei der Milchquote selbst beigetragen zu haben. Auch die Tierhaltung sei auf Drängen des Verbands extrem intensiviert worden. Diese Ausrichtung auf Billigproduktion und Exporte räche sich schneller als gedacht, so Hofstetter. „Die Welt hat nicht auf Schweinebäuche und billiges Milchpulver aus Deutschland gewartet.“

Auch Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter kritisierte, der DBV habe die wirklichen Ursachen aus dem Blick verloren. „Es ist absurd zu glauben, dass das Russland-Embargo schuld sei an den grundlegenden Problemen unserer Landwirtschaft – die entstehen anders: Der Export-Fokus treibt unsere Landwirtschaft in eine ruinöse Sackgasse“, sagte Hofreiter.

Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit mehr Anreizen für eine ökologische und regionale Landwirtschaft bräuchten kleine und mittlere Betriebe mehr Unterstützung, so Hofreiter. „Der Bauernverband sollte endlich die Interessen der Bäuerinnen und Bauern vertreten und nicht die der Agroindustrie.“

Linke: Landwirtschaft ist Opfer eines Systemfehlers

Aus Sicht der Partei Die Linke erwächst die aktuelle Not vieler Landwirtschaftsbetriebe aus einem Systemfehler: „Wer immer mehr und billiger für immer übermächtigere Molkereien, Schlachthöfe und Handelskonzerne produziert wird zum Bittsteller“, sagte Agrarsprecherin Kirsten Tackmann. Sie ist sicher: „Noch mehr Agrarexport und Börsenhandel wären eine Steigerung der Dosis der falschen Medizin statt Bekämpfung der Krankheitsursache.“ Allein die Orientierung auf die regionale Nachfrage könne ihre Akzeptanz stärken und Natur und Klima schonen.

Recht gibt den Kritikern der Bericht des DBV selbst: Denn ein Plus konnten gegen den Trend neben den Winzern lediglich die Ökobauern vermelden.

Weitere Informationen

Deutscher Bauernverband: DBV-Situationsbericht 2014/2015