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20/01/2017

Kein Deutsch mehr bei VW

Finanzen und Wirtschaft

Kein Deutsch mehr bei VW

Von Goethe zu Shakespeare: VW spricht in Zukunft Englisch.

[Karen Roe/ Flickr]

Volkswagen hat sich entschieden, Deutsch als Konzernsprache aufzugeben und ins Englische zu wechseln – ein Schritt, der deutsche Sprachliebhaber bitter enttäuscht. EurActiv Brüssel berichtet.

Eine der interessantesten Fragen nach dem Brexit-Votum im vergangenen Juni war, ob Englisch seinen Status als Lingua franca innerhalb der EU beibehalten würde. Das deutsche Flaggschiff-Unternehmen Volkswagen, einer der größten Automobilhersteller Europas, gibt darauf eine klare Antwort: Englisch wird Deutsch als offizielle Konzernsprache ersetzen.

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Der Wechsel soll die Sprachbarriere des Deutschen senken und so das Einstellungsverfahren optimieren sowie internationale Spitzenkräfte für hochrangige Managementpositionen begeistern. „Als global aufgestellter Konzern brauchen wir die weltweit besten Leute“, erklärt VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing.

Volkswagen ist vor allem bekannt dafür, „Das Auto“ zu bauen. Die Unternehmensgruppe leitet darüber hinaus jedoch auch ausländische Marken wie Bugatti aus Frankreich, Bentley aus England, Lamborghini aus Italien und Seat aus Spanien.

Die Tatsache, dass Volkswagen Goethe für Shakespeare sitzen lässt, ist ein Zeichen für die verstärkte Ausrichtung hin zum amerikanischen Markt. Gerade dort hatte VW nach dem Dieselgate-Skandal um manipulierte Abgaswerte viel Vertrauen eingebüßt.

Linguisten sind „entsetzt“

Große Kritik am Sprachwechsel hagelt es vor allem von Seiten der Stiftung Deutsche Sprache. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsche Sprache als Kulturgut in den Medien und der Geschäftswelt zu wahren. Aus Protest gegen das Vorhaben des Autoherstellers verkaufte sie prompt ihre 200 VW-Aktien. „Ich bin entsetzt, wie bedenkenlos unsere Eliten ihre eigene Sprache und Kultur aufgeben“, betonte Vorstandssprecher Walter Krämer. Die Entscheidung sei „völlig unnötig“. Auch VWs Sorge, die deutsche Sprache stelle ein Hindernis bei der Einstellung dar, ist ihm zufolge unbegründet.

Anzumerken ist, dass die Stiftung ihre bescheidene Summe an VW-Aktien interessanterweise nach dem Dieselgate-Skandal erstand und mit ihrem Verkauf 7.000 Euro Gewinn machte. Krämer witzelte, man werde bis zum nächsten Markt-Crash warten, um die Einnahmen neu zu investieren. VW werde jedoch nichts bekommen. Der Schutz der deutschen Sprache in allen Ehren scheint sich die Stiftung weniger Gedanken um die Umwelt zu machen.

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