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28/09/2016

Junge Landwirte: Fortschritte der neuen GAP „reichen noch nicht aus“

Finanzen und Wirtschaft

Junge Landwirte: Fortschritte der neuen GAP „reichen noch nicht aus“

Nur wenige Landwirte sind unter 35.

[European Commission]

Neueinsteiger in der Landwirtschaft brauchen mehr Unterstützung, fordert Alan Jagoe, Präsident des Europäischen Rates der Junglandwirte (CEJA) im Interview mit EurActiv-Kooperationspartner EFEAgro.

Die derzeitige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU habe durchaus Fortschritte gemacht und neue Anreize für Jungbauern geschaffen, gesteht Jagoe. Aber: „[Das] reicht noch immer nicht aus“, kritisiert er. Außerdem müsse es auch ganz allgemein Änderungen in der Subventionsvergabe geben.

Landwirte unter 40, die eine Laufbahn in der Landwirtschaft beginnen möchten, können zusätzliche Fördermittel beantragen. Die Basiszahlungen werden dabei in den ersten fünf Jahren nach Betriebsgründung um 25 Prozent aufgestockt. Dies sei bereits ein guter Anfang und habe schon Einiges bewirkt, bekräftigt Jagoe. Dennoch müsse sich die EU mehr auf aktive Produzenten konzentrieren.

Das derzeitige Subventionssystem beruht auf der Fläche des Landes. In vielen Fällen führt dies laut Jagoe jedoch dazu, dass diejenigen, die am wenigsten tun, die meisten Fördermittel einstreichen. Außerdem habe die jüngere Generation von Landwirten das Gefühl, ihre nationale Regierung würde sie nicht unterstützen und sich stattdessen nur auf ältere Bauern konzentrieren. „Sie müssen der neuen Generation zuhören. Dies sind unsere zukünftigen Nahrungsmittelproduzenten, die die Welt ernähren müssen. Sie sind innovativ und haben großartige Ideen“, betont er.

CEJA-Daten von 2010 zeigen, dass EU-weit nur sieben Prozent der Landwirte jünger als 35 sind; 33 Prozent sind unter 65 und 50 Prozent mindestens 55 Jahre alt. Polen hat mit 14 Prozent den höchsten Anteil an Junglandwirten unter 35. Finnland gilt als Vorbild für die Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen und der Regierung – Großbritannien schneidet in dieser Hinsicht am schlechtesten ab.

Viele junge Leute sind sich bewusst, dass die derzeitige Landwirtschaftskrise in der EU nie dagewesene Ausmaße angenommen hat und Produzenten in allen Bereichen beeinträchtigt. Daher sinken Vertrauen und Zuversicht in ihrer Generation.

Ein großes Hindernis für junge Landwirte sind die hohen Bodenpreise. Dieses Problem verschärft sich vor allem in trockenen Ländern wie Spanien, wo durch die Bewässerung noch weitere Kosten hinzukommen. Darum engagiert sich CEJA für andere Lösungsansätze wie Leasing-Modelle und Partnerschaften mit älteren Landwirten.

Doch auch der Zugang zu Krediten und anderweitigem Startkapital, mit dem Jungbauern überhaupt erst einmal einen Fuß in die Tür bekommen können, ist oftmals schwierig.

Lukrative Alternativen bestehen CEJA zufolge in der ökologischen Landwirtschaft, für die es vor allem in Deutschland und Österreich eine große Nachfrage gibt.

Frauen gehören ebenfalls in die Landwirtschaft, so Jagoe. Es sei höchste Zeit, das alteingesessene Vorurteil abzulegen, dass nur Männer auf dem Ackerland etwas zu sagen hätten. „Die Landwirtinnen, die ich kenne, sind viel erfolgreicher als meine männlichen Kollegen“, so sein Fazit.

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