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04/12/2016

IWF: Deutsche Bank ist größte Bedrohung für globales Finanzsystem

Finanzen und Wirtschaft

IWF: Deutsche Bank ist größte Bedrohung für globales Finanzsystem

Ein Zusammenbruch der Deutschen Bank könnte die Finanzsysteme weltweit erschüttern, so der IWF.

[Nessluop / Shutterstock.com]

Die Deutsche Bank ist die wohl riskanteste Bank der Welt, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). EurActiv-Kooperationspartner Milano Finanza berichtet.

Sie ist eine der größten Banken weltweit: Die Deutsche Bank. Und sie „scheint der wichtigste Netto-Risikoträger für systemische Risiken im globalen Bankensystem zu sein“, betont nun der IWF im Rahmen seines Programms zu Bewertung des Finanzsektors (FSAP). Das deutsche Bankensystem weise ein höheres Ansteckungsrisiko nach Außen als nach Innen auf. Im schlimmsten Fall würde das bedeuten, dass die Deutsche Bank so wichtig für das globale Finanznetzwerk ist, dass ihr Zusammenbruch in einem Desaster für den gesamten Bankensektor enden würde.

IMF

Eine Bankenkrise in Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder den USA hätte laut IWF-Studie die stärksten Auswirkungen auf andere Bankensysteme weltweit („outward spillover“). Diesen Effekt berechnet die in Washington ansässige Institution mithilfe des durchschnittlichen Kapitalverlusts in den betroffenen ausländischen Systemen.

Erst kürzlich fiel die international stark vernetzte Deutsche Bank zum zweiten Mal in Folge durch den Stresstest der US-Notenbank – Grund genug, das Risikomanagement von Großbanken zu verbessern, sie schärfer zu beaufsichtigen und grenzüberschreitende Folgen genau im Auge zu behalten.

Deutschland müsse nun untersuchen, inwiefern seine Banking- und Liquidationspläne tatsächlich umsetzbar sind, so das Fazit des IWFs. Außerdem habe das Land sicherzustellen, dass die verantwortlichen Behörden nicht die Kontrolle über die Bank verlieren, wenn die Abwicklungsmechanismen nicht sofort in Kraft treten können. Nach diesem vernichtenden Urteil des IWFs fiel die Aktie der Deutschen Bank an der Frankfurter Börse um ganze 3,2 Prozent.

Eine aktuelle Studie von Bloomberg zeigt: Mit dem bevorstehenden Brexit ist die Wahrscheinlichkeit drastisch gesunken, dass die Deutsche Börse, wie seit einiger Zeit geplant, die London Stock Exchange übernehmen wird (nur noch 26 Prozent). Eines der Haupthindernisse besteht darin, dass Deutschland sich seit dem Brexit-Votum weigert, das gemeinsame Hauptquartier der Aktienmärkte in London aufzuschlagen.

Milano finanza