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07/12/2016

Hollande will Paris als Finanzplatz fit machen

Finanzen und Wirtschaft

Hollande will Paris als Finanzplatz fit machen

Der französische Präsident François Hollands sieht Paris als möglichen Finanzplatz Europas.

Foto: EPA/BENOIT TESSIER/POOL MAXPPP OUT, dpa

Nach dem Brexit-Votum bringt Frankreichs Staatschef François Hollande Paris in Stellung, um London als wichtigsten Finanzplatz Europas zu beerben.

Da Großbritannien nach einem EU-Austritt „ein Drittstaat“ werde, könnten in London ansässige Banken nicht mehr automatisch in der gesamten Eurozone operieren, sagte Hollande in einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“, das am Mittwochabend online veröffentlicht wurde.

Es sei „legitim und logisch, dass die französischen Banken sich folglich organisieren und vorbereiten“. Die Regierung müsse daher „unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen“, fügte Hollande hinzu.

Die französische Hauptstadt hat im Kampf auf die Vorreiterrolle im Finanzwesen allerdings starke Konkurrenz: Auch Frankfurt am Main sowie Dublin und Luxemburg mit ihren liberalen Steuergesetzen gelten als Kandidaten.

Der Brexit birgt aus Hollandes Sicht neben Chancen auch Gefahren für die französische Wirtschaft. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU werde sich zwar vor allem in dem Land selbst auswirken, eine Rezession im Königreich könnte aber auch „ein Risiko für die Eurozone und Frankreich“ bedeuten, sagte Hollande in „Les Echos“.

Um diese Gefahr einzudämmen, müsse es eine „rasche und klare europäische Antwort“ auf das britische Referendum der vergangenen Woche geben. „Je kürzer die Phase der Unsicherheit über den Platz Großbritanniens in Europa, umso begrenzter werden die Auswirkungen des Brexit sein“, mahnte Hollande.

Der französische Präsident, der seit langem mit schlechten Umfragewerten und  Massenprotesten gegen eine Arbeitsmarktreform kämpft, prognostizierte für dieses Jahr eine bessere Wirtschaftsentwicklung als zunächst erwartet. Statt um 1,5 Prozent werde die französische Wirtschaft um 1,6 Prozent wachsen, wodurch mindestens 200.000 neue Jobs geschaffen werden könnten.

„Es gibt durchaus eine Erholung in Frankreich und den Beginn einer Umkehr der Arbeitslosigkeitskurve“, sagte Hollande in dem Interview. Dies sei „ein unbestreitbarer Fakt“.