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09/12/2016

Handel: Misstöne zwischen Deutschland und China

Finanzen und Wirtschaft

Handel: Misstöne zwischen Deutschland und China

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will deutsche Investitionen in China vereinfachen.

Emmanuele Contini, shutterstock

Die Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren wecken zunehmend Sorgen um einen möglichen Ausverkauf von deutschem Know-how. Wirtschaftsminister Gabriel reist in der kommenden Woche nach Peking.

China ist der viertgrößte deutsche Handelspartner Deutschlands, beide Länder machten im vergangenen Jahr Geschäfte im Umfang von knapp 163 Milliarden Euro. Doch vor der Reise von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in die Volksrepublik kommende Woche sind die Wirtschaftsbeziehungen getrübt. Gleich zwei Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren liegen wegen Bedenken der Bundesregierung auf Eis – eine deutliche Ansage Richtung Peking, dass Investitionen keine Einbahnstraße sein dürfen.

„Niemand hat was dagegen und kann was dagegen haben, dass es ausländische Investitionen aus China auch bei uns gibt“, sagte Gabriel kürzlich bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Allerdings müsse dies umgekehrt auch möglich sein. Mit den Chinesen will er darüber reden, „ob unser Eindruck berechtigt ist, dass die dortige Investitionsgesetzgebung die Möglichkeit deutscher oder europäischer Unternehmen, in China zu investieren, massiv behindert.“

US-Geheimdienst soll interveniert haben

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Montag bestätigt, dass die Anfang September erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die 670 Millionen Euro schwere Übernahme des Aachener Chipanlagenbauers Aixtron durch Fujian Grand Chip Investment (FGC) zurückgezogen worden sei. Hintergrund seien „sicherheitsrelevante Fragen“. Einem Handelsblatt-Bericht zufolge sollen US-Geheimdienste interveniert haben, weil China Aixtron-Produkte auch militärisch nutzen könne.

Wenige Tage später berichtete die Wirtschaftswoche, dass Gabriels Ministerium auch den geplanten Verkauf der Osram-Lampensparte Ledvance an ein Konsortium um den chinesischen MLS-Konzern einer vertieften Überprüfung unterziehe. Damit könnte sich der auf 400 Millionen Euro taxierte Deal um Monate verzögern.

Peking hielt sich mit offiziellen Reaktionen bislang zurück, ein Kommentar in der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua warf Deutschland aber „protektionistische Schritte“ vor. „Es ist an der Zeit, dass Berlin seine wahnhafte ‚China ist eine Bedrohung‘-Paranoia sein lässt“, hieß es in dem Beitrag.

Einer Studie der Unternehmensberatung EY zufolge tätigten chinesische Unternehmen in Deutschland im laufenden Jahr bereits 56 Akquisitionen. Dies seien 44 Prozent mehr als im Gesamtjahr 2015. Dabei hätten die Käufer aus Fernost im Zeitraum Januar bis Oktober mindestens 11,4 Milliarden Euro für deutsche Firmen ausgegeben – weit mehr als in allen Vorjahren seit 2006 zusammen.

Berlin will härteren Kurs fahren

Die Einkaufstouren chinesischer Investoren stoßen in Deutschland auf zunehmendes Unbehagen. Dabei verbinden sich Sorgen vor einem Ausverkauf von deutschem Know-how bei Zukunftstechnologien mit der Verärgerung über die Abschottung der eigenen Märkte durch die Volksrepublik. So machte Gabriel auch keinen Hehl aus seinen Bedenken hinsichtlich der Übernahme des Augsburger Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern, die sein Ministerium im August aber schließlich doch billigte.

"China wird zu unseren Lebzeiten wohl kein marktwirtschaftliches Land werden"

Kritiker warnen, ein Status Chinas als Marktwirtschaft würde Millionen Arbeitsplätze in Europa bedrohen. Das sei überzogen, meint Ifo-Experte Erdal Yalcin im Interview mit EurActiv.de – zumindest wenn die EU eine Art Schutzmechanismus durchsetze.

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Berlin ist offenbar gewillt, einen härteren Kurs gegenüber dem wichtigen Handelspartner zu fahren, glaubt auch Hans Kundnani von der Denkfabrik German Marshall Fund. Friedolin Strack, Abteilungsleiter Internationale Märkte beim Bundesverband der deutschen Industrie, fordert unterdessen mehr Druck auf China, um die Zugangsschranken abzubauen. Zugleich mahnt er: „Wenn wir sagen, dass wir nur denjenigen Ländern gegenüber offen sind, die gegenüber uns offen sind, dann würde das deutschen Unternehmen schaden.“

Gabriel wird am Dienstag in Begleitung einer Delegation von knapp 60 Wirtschaftsvertretern in China erwartet. Ansprechen will er neben den gleichen Bedingungen beim Marktzugang auch die chinesischen Stahlexporte. „Die deutsche und europäische Stahlindustrie steht vor einem Riesenproblem, weil die Überkapazitäten Chinas zu Preisen, die nach unserem Eindruck nicht weltmarktfähig sind, auf den europäischen Markt drängen“, sagte der Vizekanzler bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Nach politischen Gesprächen in Peking besucht Gabriel auf der fünftägigen Reise die Westmesse in Chengdu, bei der Deutschland in diesem Jahr Ehrengast ist. Zum Abschluss leitet der Minister in Hongkong die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft.