EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

24/01/2017

Griechische Banken brauchen weniger Geld als befürchtet

Finanzen und Wirtschaft

Griechische Banken brauchen weniger Geld als befürchtet

Griechenland bekommt von Eurogruppe und IWF Milliardenhilfen und Schuldenerleichterungen.

[Dimitris Kamaras/Flickr]

Dank eines geringeren Kapitalbedarfs der Banken könnte das neue Hilfspaket für Griechenland kleiner ausfallen.

Zwar brauchen die vier größten Institute des Euro-Staates bis zu 14,4 Milliarden Euro Geld, um mit faulen Krediten und der Wirtschaftskrise klar zu kommen, wie ein am Wochenende veröffentlichter Stresstest der Europäischen Zentralbank ergab. Das ist aber deutlich weniger als die 25 Milliarden Euro, die von den europäischen Partnern als Puffer zur Rekapitalisierung der Banken vorgesehen waren. Damit werde das Volumen des dritten Rettungsprogramms wahrscheinlich unter den zunächst angepeilten 86 Milliarden Euro liegen, erklärte der Rettungsfonds ESM. Im Gegenzug für die Hilfe muss die Regierung noch zahlreiche Reformen umsetzen.

Zehn Milliarden Euro lägen schon für die Bankenhilfen bereit, sagte ein ESM-Sprecher. „Diese werden Griechenland rasch zur Verfügung gestellt.“ Wenn sich der Privatsektor an der Rekapitalisierung beteilige, seien die übrigen 15 Milliarden unnötig. Die Bundesregierung äußerte sich über die Ergebnisse der EZB-Prüfung erfreut. „Es ist gut, dass wir nun den genauen Kapitalbedarf der griechischen Banken kennen“, sagte Finanzstaatssekretär Jens Spahn. „Er liegt deutlich niedriger als befürchtet.“

Die in dem Stresstest ermittelte Maximalsumme benötigen die griechischen Banken, sollte sich die Wirtschaftslage des Landes erheblich verschlechtern. Selbst bei unveränderten Rahmenbedingungen liege die Kapitallücke der National Bank of Greece, der Piraeus Bank, der Alpha Bank und der Eurobank zusammen bei 4,4 Milliarden Euro.

Die Institute müssen den EZB-Bankenaufsehern nun bis Freitag mitteilen, wie sie die Lücken bis Jahresende schließen wollen. Dabei sollen sich private Investoren in großem Umfang beteiligen. Die Geldhäuser leiden unter der jahrelangen Wirtschaftskrise, in deren Folge viele Kredite platzten. Bürger hatten zudem seit Jahresbeginn ihre Konten geleert. Viele waren in Sorge, das hoch verschuldete Land könnte im monatelangen Streit mit den Geldgebern über Sparauflagen aus der Euro-Zone ausscheiden. Die Regierung beschränkte den Kapitalverkehr, um einen Ansturm auf die Banken zu verhindern.

Die Euro-Staaten hatten im August im Zuge der Gespräche über ein drittes Hilfspaket Finanzspritzen für die Banken zugesagt. Damit das Geld ausgezahlt werden kann, muss die griechische Regierung Reformen umsetzen. Am Freitag brachte sie ein Gesetzespaket zur Rekapitalisierung der Geldhäuser auf den Weg. Dieses billigten die Abgeordneten am Samstag. Demnach hat der griechische Rettungsfonds HFSF die vollen Stimmrechte der Bankanteile, die er im Gegenzug für staatliche Hilfen übernimmt. Das gibt dem HFSF größere Kontrolle über die Institute.

Bei der EZB-Prüfung kam heraus, dass der Berg fauler Kredite um sieben Milliarden auf 107 Milliarden Euro gewachsen ist. Insgesamt ist fast die Hälfte aller Darlehen in Gefahr. Den größten Kapitalbedarf ermittelte die EZB bei der Piraeus Bank: Das zweitgrößte Institut des Landes benötigt 4,93 Milliarden Euro. Es dämmte aber den Verlust in den ersten neuen Monaten um mehr als die Hälfte auf 635 Millionen Euro ein, wie es am Samstag mitteilte. Beim Branchenprimus National Bank of Greece fehlen demnach 4,6 Milliarden. Er weitete seinen Verlust im zweiten Quartal wegen höherer Rückstellungen für faule Kredite auf 1,6 Milliarden Euro aus. Bei der Alpha Bank machte die EZB eine Kapitallücke von 2,7 Milliarden und bei der Eurobank von 2,1 Milliarden Euro aus.