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01/10/2016

Griechenland: Schäuble hält ungeplanten Grexit für möglich

Finanzen und Wirtschaft

Griechenland: Schäuble hält ungeplanten Grexit für möglich

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schließt plötzlichen Ausstieg Griechenlands aus Euro nicht aus.

© World Economic Forum (CC BY-NC-SA 2.0)

Erst wurde ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro als unmöglich bezeichnet, nun wendet sich das Blatt: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble will einen ungeplanten, plötzlichen Austritt Athens aus der gemeinsamen Währung Europas nicht mehr ausschließen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält einen ungeplanten, unfallartigen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für möglich.

Darin stimme er mit seinem österreichischen Amtskollegen Hans Jörg Schelling überein, sagte er am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview des ORF. „Da ja die Verantwortung, die Möglichkeit, zu entscheiden was passiert, nur bei Griechenland liegt, und da wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen“, sagte er am Rande eines Besuchs in Wien.

Die griechische Regierung kämpft in Gesprächen mit Fachleuten der EZB, der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) um deren Zustimmung zu ihren jüngsten Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Finanzminister der Euro-Länder ausstehende Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Die Regierung in Athen steht unter Druck, weil sie ihre Schulden weiter bedienen muss.

Schäuble sagte, Griechenland können nur dann weitere Gelder erhalten, wenn sich der Mittelmeerstaat an die Vereinbarungen mit seinen Gläubigern halte. „Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht.“

Die griechische Regierung hatte sich zuvor formell beim Auswärtigen Amt in Berlin über angeblich beleidigende Äußerungen von Schäuble über seinen Amtskollegen Yannis Varoufakis beschwert. Dieser warf der Europäischen Zentralbank (EZB) zudem eine Politik vor, die Griechenland „die Luft zum Atmen nimmt“. 

Eine Mehrheit der Deutschen sieht die Beziehungen zwischen den Regierungen in Athen und Berlin wegen des Streits über die Hellas-Hilfsprogramme belastet.

Umfrage: Deutsche sehen Beziehung zu Athen belastet

In Deutschland sinkt unterdessen die Loyalität zu Griechenland: 54 Prozent der Befragten stufen das Verhältnis als weniger gut ein, wie aus dem ARD-Deutschlandtrend für das Morgenmagazin hervorgeht. Als schlecht beschreiben es 30 Prozent, als gut sehen es nur elf Prozent. Die Beziehungen zwischen den Bevölkerungen halten dagegen 45 Prozent für sehr gut oder gut und 46 Prozent als weniger gut oder schlecht.

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