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03/12/2016

Griechenland fordert erneut Kriegsreparationen von Deutschland

Finanzen und Wirtschaft

Griechenland fordert erneut Kriegsreparationen von Deutschland

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras

Foto : [Shutterstock/360b]

Athen verlangt Hunderte Milliarden Euro von der Bundesregierung als Entschädigung für den Zweiten Weltkrieg. EurActiv-Kooperationspartner EFE berichtet.

Am gestrigen Dienstag bekräftigte der griechische Premierminister Alexis Tsipras erneut die Reparationsforderungen seines Landes. Deutschland müsse Verantwortung für die finanziellen Schäden übernehmen, die bei der damaligen Besetzung durch die Wehrmacht verursacht wurden. Griechenland und das griechische Volk hätten weder ihre Geschichte noch die Kriegsverbrechen und Blutbäder der Nationalsozialisten vergessen, mahnt er.

Tsipras drängt insbesondere auf die Rückzahlung eines erzwungenen Kredites, den Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkrieges von der griechischen Nationalbank erpresste. „Wir werden bis zum Schluss dafür kämpfen, auf diplomatischem und, wenn notwendig, auch auf rechtlichem Weg“, so der Premierminister und Vorsitzender der linksgerichteten Syriza-Partei.

Seine Forderungen brachte er auf einer Gedenkzeremonie im griechischen Dorf Kommeno im Nordwesten des Landes vor. Dort gedachten die Anwesenden der 317 Opfer eines Blutbades der deutschen Wehrmacht vom 16. August 1943. Unter den Getöteten befanden sich 119 Frauen und 97 Säuglinge. Für die Griechen gelten das Massaker von Kommeno sowie die Blutbäder in Distomo und Kalavryta zu den schrecklichsten Gräueltaten, die die deutschen Besatzungskräfte als Vergeltung für die griechischen Partisanenangriffe verübten. Im Falle Kommenos kamen vor 73 Jahren mehr als die Hälfte aller Einwohner ums Leben.

Der parlamentarische Ausschuss Griechenlands, der sich mit den Kriegsreparationen und der Rückzahlung der Zwangsanleihe befasst, wird voraussichtlich bald seinen Abschlussbericht vorlegen. Eingerichtet wurde das parteiübergreifende Gremium vom griechischen Parlament im März 2015.

Zurzeit belaufen sich die von Athen geforderten Entschädigungen auf 278,7 Milliarden Euro. Zu zahlen seien auch die Schadensersatzkosten für die im Krieg zerstörte Infrastruktur Griechenlands. Diese sind Experten zufolge jedoch nur sehr schwer abschätzbar.

Die Bundesregierung erteilte den Reparationsforderungen bereits eine entschiedene Absage. Das Thema sei „politisch und juristisch abgeschlossen“, betont Berlin. Deutschland habe Griechenland bereits 1960 mit 115 Millionen D-Mark entschädigt.