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29/09/2016

Freihandelsabkommen mit Japan vielversprechender als TTIP

Finanzen und Wirtschaft

Freihandelsabkommen mit Japan vielversprechender als TTIP

Europäische Autobauer fürchten sich vor der japanischen Konkurrenz.

[Toyota UK CC BY-NC-ND 2.0/Flickr]

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan könnte die europäische Wirtschaft erheblicher steigern als der TTIP-Deal, schätzt die Kommission. EurActiv Tschechien berichtet.

2013 begann die EU, mit Japan über ein Freihandelsabkommen zu verhandeln. Erwartungen zufolge soll es dem europäischen PIB einen 0,8-prozentigen Wachstumsschub verleihen. Mit einem wirtschaftlichen Potenzial von gerade einmal 0,5 Prozent erscheint die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) mit den USA weniger erfolgsversprechend.

Japan ist nach China zweitgrößter asiatischer Handelspartner der EU. Europa exportiert vor allem Maschinen, Transportmittel sowie chemische und landwirtschaftliche Produkte in das Land der Sonne. Die Kommission schätzt, dass ein Freihandelsabkommen die Exporte auf 32,7 Prozent anheben könnte.

In den drei Verhandlungsjahren fanden bereits 16 Gesprächsrunden statt – die letzte davon im April in Tokio. Im kommenden September soll es weitergehen. Immerhin wolle man sich noch in diesem Jahr politisch einigen, bekräftigten Vertreter aus Japan, der EU, Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien beim G7-Gipfel Ende Mai im japanischen Ise-Shima. Andererseits wäre es nicht das erste Mal, wenn der Abschluss des Abkommens doch noch einmal vertragt würde.

Bei einem Treffen am 16. Juni in Tokio verliehen japanische und europäische Unternehmensvertreter dem Wunsch nach einem Freihandels-Deal neuen Nachdruck. „In Zeiten der globalen wirtschaftlichen Unsicherheit bietet ein solches Abkommen die einmalige Chance, das Wachstum zweier Wirtschaftsmächte wieder anzukurbeln“, so die Unternehmensverbände Keidanren und BusinessEurope.

Bevor ein Freihandelsabkommen unterzeichnet werden kann, sind jedoch noch einige Punkte zu klären. Wenn Japan will, dass Europa keine Zölle mehr in der Landwirtschaft und der Automobilbranche erhebt, muss es der EU zufolge auch die eigenen Einfuhrgebühren in den Bereichen Automobil und Schiene abschaffen. Tokio machte im Dezember bereits eine Reihe von Zugeständnissen. Die EU fordert jedoch weitere Garantien. Ohne diese werde sie ihre Zollschranken nicht senken.

Automobil- und Eisenbahnindustrie

Die europäische Automobilbranche hat jedoch ihre Bedenken. Die Kommission müsse sich verstärkt die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Abkommens vor Augen führen, warnt sie. Japanische Fahrzeuge verkaufen sich auf europäischen Märkten nämlich besser als umgekehrt. Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass nur 32 Prozent der japanischen Autos in Europa tatsächlich aus Asien importiert werden. Der Großteil von ihnen stammt aus europäischen Fabrikhallen.

Für die EU wäre der freie Zugang zum japanischen Markt zweifellos von großem Vorteil. Schon seit langer Zeit beschweren sich die Vertreter der europäischen Eisenbahnindustrie über unfaire Handelsbedingungen. Denn im Gegensatz zu Japan hat die EU ihren Markt in diesem Bereich bereits vollständig liberalisiert.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass Europa auch von japanischen Investitionen profitieren könnte, betont der tschechische Europaabgeordnete Tomáš Zdechovský (PPE). „Alle sprechen immer über chinesischen Investitionen  und vergessen dabei einen unserer wichtigsten Partner.“ Japan sei ihm zufolge schon immer ein demokratischer und stabiler Verbündeter gewesen.