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18/01/2017

Flüchtlingskrise erhöht Druck am deutschen Wohnungsmarkt

Finanzen und Wirtschaft

Flüchtlingskrise erhöht Druck am deutschen Wohnungsmarkt

Deutschland benötigt 400.000 neue Wohnung pro Jahr. Dies ist vorwiegend auf die steigende Anzahl an Flüchtlingen zurückzuführen.

[Martin Roell/Flickr]

Die steigende Zahl an Flüchtlingen zeigt Auswirkungen am deutschen Wohnungsmarkt. Laut einer aktuellen Studie müssen jedes Jahr 400.000 neue Wohneinheiten gebaut werden. Das Verbändebündnis Sozialer Wohnungsbau fordert ein Entgegenkommen der Politik.

Deutschland braucht in den kommenden Jahren insgesamt zwei Millionen neue Wohnungen. Das geht aus einer Studie des Pestel Instituts in Hannover hervor, die das Verbändebündnis Sozialer Wohnungsbau am Dienstag in Berlin vorstellte. Demnach werden bis 2020 jährlich 400.000 Wohneinheiten gebraucht. Als Hauptgrund nennt das Bündnis aus Verbänden der Bau- und Immobilienbranche die „rasant wachsenden Flüchtlingszahlen“.

In diesem Jahr werden in Deutschland etwa 270.000 neue Wohnungen gebaut, gut 110.000 davon für die Vermietung, sagte Matthias Günther vom Pestel Institut. Die Branche habe für dieses Jahr ursprünglich mit einer Zuwanderung von einer Million Menschen gerechnet – durch die aktuellen Flüchtlingszahlen sei das aber hinfällig. Zum „Defizit“ auf dem Wohnungsmarkt führten laut Experte Günther auch Zuwanderung aus der Europäischen Union und starker Zuzug in die Städte. Seit 2009 wurden nach den Berechnungen des Pestel Instituts insgesamt 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut.

Die Verbände forderten Bund und Länder darum zum Handeln auf. Ein Forderungskatalog des Bündnisses liege dem Bauministerium vor, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Ingeborg Esser. Darin aufgelistet sind etwa Anreize von politischer Seite wie Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen, höhere Abschreibungen bis 2020 und günstigeres Bauland. Außerdem sollen die Energiestandards vorerst nicht weiter angehoben und die für Anfang 2016 vorgesehene Verschärfung der EU Energiesparverordnung ausgesetzt werden. Das werde sich nicht auf den Brandschutz und andere Sicherheitsstandards auswirken, versicherte der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger.

Die Verbände würden nach eigenen Angaben unter anderem gerne 140.000 Mietwohnungen pro Jahr bauen. 80.000 neue Sozialwohnungen und 60.000 neue Wohneinheiten für Haushalte mit mittlerem Einkommen jedes Jahr kosten Bund, Länder und Gemeinden laut der Studie etwa 9,6 Milliarden Euro jährlich. Dem stünden aber Steuermehreinnahmen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro gegenüber. Zudem könnten Sozialversicherungen durch dieses „Wachstumsprogramm Sozialwohnungsbau“ knapp 950 Millionen Euro pro Jahr einnehmen.

Dem Bündnis Sozialer Wohnungsbau gehören insgesamt elf Organisationen an, unter ihnen der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure sowie mehrere Baustoffverbände.