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09/12/2016

Fed-Chefin macht Europas Aktienanlegern Kauflaune

Finanzen und Wirtschaft

Fed-Chefin macht Europas Aktienanlegern Kauflaune

Sommerloch auch auf dem europäischen Aktienparkett. Der Dax schwächelt aufgrund befürchteter Zinserhöhungen in den USA.

[Daniel Reinhardt/dpa]

Die US-Notenbankchefin Janet Yellen hat den Anlegern mit ihrem Bekenntnis zu einer behutsamen Geldpolitik Mut gemacht.

Der Dax stieg am Mittwoch um 1,6 Prozent auf knapp 10.100 Punkte und schloss damit so hoch wie seit Anfang Januar nicht mehr. Der EuroStoxx50 stieg um 1,3 Prozent. „Yellen hat klar gemacht, dass eine baldige Zinserhöhung vorerst nicht ansteht“, sagte ein Händler. Auch an der Wall Street zogen die Kurse bis zum Handelsschluss in Europa an: Der Dow-Jones lag etwa 0,5 Prozent höher. Im deutschen Handel sorgte der Handelsriese Metro mit seinem Aufspaltungsplänen für Furore.

Yellen habe letztlich die Aussagen jener Notenbanker kassiert, die nach Eindruck der Märkte in den vergangenen Tagen eine Zinserhöhung noch im April signalisiert hätten, kommentierten die Analysten der Essener National-Bank. Dies drückte den Dollar zum Euro und zum Yen und verbesserte damit die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft in den USA. Den Anstieg des Euro um mehr als einen halben US-Cent auf 1,135 Dollar ignorierten die Anleger dagegen. Der höhere Wechselkurs macht es für die europäischen Unternehmen auf den Weltmärkten etwas schwieriger. Derzeit überwiegt laut Händlern aber die Erleichterung über das vorläufige Ausbleiben einer Zinserhöhung in den USA.

Zwar strahlen laut Yellen die globalen Wirtschaftsrisiken voraussichtlich nicht groß auf die USA aus. Es sei aber nach wie vor angemessen, dass die Fed „vorsichtig“ mit ihren Zinsschritten fortfahre, hatte die Fed-Chefin am Dienstagabend erklärt.

Stahlwerte auf Erholungskurs

Größtes Thema am Markt war die Aufspaltung des Metro-Konzerns. Mit einem Befreiungsschlag will der Handelsriese den klassischen Groß- und Lebensmittelhandel von Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn trennen. Zudem wird damit auch der Einfluss des streitbaren Media-Saturn-Minderheitseigners Erich Kellerhals massiv beschnitten, dessen Streit mit der Konzernführung den Aktienkurs belastet hatte. Die im MDax gelisteten Aktien schnellten um 11,5 Prozent auf 27,40 Euro in die Höhe und schlossen damit so hoch wie seit Mitte Januar nicht mehr. „Das ist ein Paukenschlag“, sagte ein Händler. „Wir sehen das positiv“, erklärte auch Bernstein-Analyst Bruno Monteyne. Zwischen den beiden Geschäftsbereichen gebe es nur begrenzte Synergien.

Im Dax führten die Aktien von ThyssenKrupp mit einem Plus von 8,3 Prozent die Gewinnerliste an. Händlern zufolge kursierten Spekulationen über politischen Rückhalt für die deutsche Stahlbranche im Kampf gegen billige Importe aus China. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel unterstütze die Forderung der Industrie nach weltweit gleichen und fairen Wettbewerbsbedingungen, teilte sein Ministerium mit. Dem Sektor halfen laut Händlern auch Fusionsfantasien, nachdem sich Tata Steel von seinem Geschäft in Großbritannien trennen will. Das könnte eine Kombination von Tata Steel und Thyssen ermöglichen, hieß es in einem Kommentar der Analysten der Berenberg Bank.

Das Ende der Dividendenflaute bei SMA Solar schob die Aktien des Solartechnikunternehmens um 6,7 Prozent an. Nach zwei dividendenlosen Jahren sollen die Aktionäre nun 14 Cent je Aktie erhalten.

 

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