EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

28/07/2016

EZB wird 24 deutsche Banken prüfen

Finanzen und Wirtschaft

EZB wird 24 deutsche Banken prüfen

Die EZB in Frankfurt - mit Blick auf die Banken-Skyline. Foto: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ab November 2014 knapp 130 Banken überwachen, darunter 24 Institute aus Deutschland. Zuvor wird die EZB die Geldhäuser einem intensiven Stresstest unterziehen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ab November 2014 knapp 130 Großbanken aus den 18 Euro-Ländern überwachen. Darunter 24 aus Deutschland – so viel wie aus keinem anderen Land.

Zuvor will sie die Bilanzen der betroffenen Banken jedoch eingehend prüfen, teilte die EZB am Mittwoch (23. Oktober) mit. Stichtag für den geplanten Stresstest ist der 31. Dezember 2013. Alle Geldhäuser müssen dann ein Eigenkapitalpolster von acht Prozent ihrer Bilanzrisiken vorweisen. Diese Kernkapitalquote bemisst das Bankenkapital in Relation zu den Risiken in der Bilanz. Das Kernkapital setzt sich in erster Linie aus Aktien und einbehaltenen Gewinne zusammen.

Die EZB will damit Transparenz und Vertrauen in Europas Großbanken schaffen. Das Ergebnis des Stresstests dient auch als Entscheidungsgrundlage, welche Geldhäuser tatsächlich unter die Ägide der EZB kommen.

"Transparenz ist das vorrangige Ziel", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Die Banken in Europa hätten zwar in den fünf Jahren seit der Finanzkrise schon viel getan, um ihre Bilanzen aufzuräumen und ihre Geschäftsmodelle umzubauen. Trotzdem habe sich an den Finanzmärkten der Eindruck gehalten, dass die Bilanzen der Banken nicht transparent genug seien und in ihnen noch unerkannte Risiken schlummerten. "Wir erwarten, dass diese Überprüfung das Vertrauen des privaten Sektors in die Banken der Euro-Zone und in die Qualität von deren Bilanzen stärken wird", erklärte Draghi.

24 Banken aus Deutschland

Unter den betroffenen Finanzinstituten aus Deutschland sind erwartungsgemäß die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von gut 2 Billionen Euro sowie die Commerzbank (636 Milliarden Euro). Auch die DZ Bank und die sechs großen Landesbanken sind mit dabei. Ebenso die IKB – 2007 das erste Opfer der Finanzkrise in Deutschland – und der Absatzfinanzierer Volkswagen Bank sowie die Muttergesellschaft der Bausparkasse Wüstenrot müssen sich der Bilanzprüfung unterziehen. Die staatliche Förderbank KfW untersteht zwar nicht der Bankenaufsicht, wohl aber ihr Exportfinanzierer KfW-IPEX. Als einzige Sparkasse ist die Hamburger Haspa mit von der Partie.

"Ich bin überzeugt davon, dass sich der Kraftakt lohnt, denn wir bekommen mit dem einheitlichen Aufsichtsmechanismus die Chance, aus allen Aufsichtskulturen der Eurozone das Beste herauszuholen", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.

Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit, mahnte BaFin-Chefin Elke König. Die Hürde von acht Prozent, die die Banken beim Bilanztest überspringen müssen, haben die meisten großen Institute in den vergangenen Jahren locker genommen. Sie entspricht dem Wert, den Banken weltweit nach den Vorgaben der Bankenregeln Basel III eigentlich erst Anfang 2019 erreichen müssten – zuzüglich eines Puffers von einem Prozentpunkt.

Nach Angaben der EZB liegt die Kapitalausstattung der größten Banken in Europa im Mittel bei fast zwölf Prozent. Experten erwarten, dass trotzdem einige der teilnehmenden Banken über den Test stolpern werden. Denn die EZB prüft genau, ob sie die Risiken in ihren Bilanzen richtig bewertet haben. So gibt es beispielsweise zum ersten Mal überhaupt eine einheitliche Definition, wann ein Kredit als "faul" – sprich ausfallgefährdet – gilt. Sie lehnt sich an die Gepflogenheiten in Deutschland an.

EurActiv/rtr/pat