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29/09/2016

EZB berät über neuen Leitzins

Finanzen und Wirtschaft

EZB berät über neuen Leitzins

Bargeldbasierte Transfers sind eine Chance für mehr Selbstbestimmung und Effizienz in der Not- und Übergangshilfe.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) um Notenbankchef Mario Draghi entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen in der Eurozone.

Die Sitzung wird mit Spannung erwartet, da viele Beobachter davon ausgehen, dass der Rat eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschließt. Die Zentralbanker stehen unter Druck, da ihre bisherigen Maßnahmen offenbar wenig gefruchtet haben. Ihr zentrales Ziel, die Inflation in Europa
zu erhöhen, erreichte die EZB nicht. Im Gegenteil: Die Teuerungsrate sank im Februar in der Eurozone auf minus 0,2 Prozent.

Deutsche Banken sehen die Vorhaben der EZB kritisch. „Am Ende droht ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, gestern in Berlin. Ein weiteres Öffnen der Geldschleusen könne in zahlreichen Ländern zu Gegenmaßnahmen führen. Er rät den Währungshütern in Frankfurt deshalb zu einer „Politik der ruhigen Hand“.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon sagte, die Geldhäuser müssten die Erträge steigern, die Kosten auf den Prüfstand stellen und weiter Substanz aufbauen. „Sollte die EZB die anhaltende Ausnahmesituation zusätzlich verschärfen, wird es noch schwieriger für alle betroffenen Institutionen, diese drei Faktoren unter Kontrolle zu halten“, sagte Fahrenschon der Bild-Zeitung. Die EZB müsse eine Kehrtwende vollziehen. „In der Sackgasse muss man den Mut haben umzudrehen, weiter Vollgas führt zur Katastrophe.“

Weiterer Tagesordnungspunkt der EZB ist laut einem Pressebericht die Untersuchung der Folgen  eines britischen EU-Austritts. Die EZB habe bei größeren Geldinstituten bereits nachgefragt, wie gut diese für einen Brexit gewappnet wären, berichtete das „Handelsblatt“
unter Berufung auf Bankenkreise. Es wäre schlimm, wenn sich eine Aufsicht keine Gedanken mache, zitierte die Zeitung den Bundesbankvorstand Andreas Dombret. Die Zentralbank wolle unter anderem wissen, wie gut die Banken auf extreme Kursausschläge gerüstet sind, die ein Austritt Großbritanniens nach sich ziehen könnte, hieß es in dem Bericht.